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10th Annual International Teacher’s Seminar & Inaugural Biblical Study Tour von Bernhard Georg ©

 

 

Reisebericht I.T.S. 2004 in Rom


A. Das Programm

Wie in den Jahren zuvor, so war das diesjährige - zehnte - Internationale Lehrerseminar (I.T.S.) wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Dieses Mal war Rom der Tagungsort. Zum ersten Mal war das Lehrerseminar kombiniert mit einer biblischen Studienreise, an der jedermann teilnehmen konnte.
Alle Exkursionen und auch die meisten sonstigen Veranstaltungen waren gemeinsam. Gesonderte Treffen des I.T.S. fanden am zweiten, vierten und fünften Tag statt.

Auftakt war ein gemeinsames Abendessen am Freitag, den 5. November, auf das eine Rede von Douglas Jacoby folgte, "Ancient Rome in context" - eine handliche Einführung in die Geschichte und Kultur des Alten Roms.
Einen festen Bestandteil der gemeinsamen Veranstaltungen bildeten jeweils Kurzberichte aus den Gemeinden in den verschiedenen Teilen der Welt - so am ersten Abend aus Lateinamerika und Afrika.


Forum Romanum

Titusbogen
Titusbogen


Der Samstag begann mit einer Tour durch das antike Rom. Beginnend beim Kolosseum nahmen wir unseren Weg vorbei am Titusbogen, der die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. dokumentiert, über das Forum Romanum - das zweifelsohne eines der beeindruckendsten Zeugnisse aus dem Alten Rom ist. Anschließend statteten wir dem Pantheon einen Besuch ab, einem Bauwerk aus der Zeit Hadrians. Dieses Bauwerk ist eine architektonische Meisterleistung: In schwindelerregender Höhe befindet sich die halbkugelförmige Dachkuppel, in deren Mitte ein kreisrundes Loch ausgespart ist, welches die einzige Lichtquelle für den Innenraum darstellt. Das hineinströmende Regenwasser wird durch Löcher in dem konkav geformten Fußboden über ein Drainagesystem in den Tiber abgeleitet.

Am Samstagnachmittag folgte nach Kurznachrichten aus Europa und den USA eine Rede von Gordon Ferguson, "Romans: performance or obedience?" Zeitgleich mit der darauf folgenden Rede von Steve Staten aus Chicago, "Lessons from the history of the Roman church" fand das erste Treffen des I.T.S. statt, bei dem sich nach einer Einführung die Teilnehmer in zwei je Diskussionsgruppen aufteilten. Thema der einen Gruppe war "Eldership"; die andere befasste sich mit "Baptism".

Den Abschluß des Tages bildete ein gemeinsames Abendessen in einem lokalen Restaurant.


Am Sonntagmorgen feierten wir gemeinsam mit einigen aus Milano angereisten Geschwistern Gottesdienst in der zum Hotel gehörenden Kirche. Der Gesang klang in diesem Gotteshaus wunderbar! Nach Kurznachrichten von den Gemeinden in Asien, Australien, dem Mittleren Osten und von ‚Disciples Today' hielt Kelly Petre eine Rede zum Thema "Caesar & Christ: The stage is set", in welcher er nicht nur die politische Dimension des Lukasevangeliums aufzeigte, sondern auch die Bedeutung derselben für die Christen heute.
In der zweiten Hälfte sprach Andy Fleming zum Thema "The passion of Paul". In seiner Rede rief er dazu auf, zur Einfachheit des Evangeliums zurückzukehren und erneut eine Vision für dessen Verbreitung zu gewinnen.

Am Nachmittag stand ein Besuch der Katakomben auf dem Programm. In den kilometerlangen unterirdischen Gängen, die etwa 150.000 Menschen als Grabstätte gedient haben, sollen sich die frühen Christen versammelt haben. Es folgte ein Besuch der nach Paulus benannten Kathedrale, in der nach katholischem Glauben Gebeine des Apostels verwahrt werden sollen.

Wieder beendete ein gemeinsames Abendessen den Tag. Die Zeiten des gemeinsamen Abendessens bildeten einen schönen Rahmen für den gegenseitigen Austausch.

Kolosseum
Kolosseum



Michelangelo


Das Programm am Montag begann früher als an den anderen Tagen: Bereits um 7.45 Uhr brachen wir zu den Vatikanischen Museen auf. Das Warten von über einer Stunde in der Schlange vor der Museumstüre wurde mit unvergesslichen Eindrücken belohnt: Den Höhepunkt der Museumstour bildete die Besichtigung der Sixtinischen Kapelle, deren von Michelangelo geschaffene Deckenfresken nach über zehnjähriger Renovierungszeit seit kurzem wieder im alten Glanz erstrahlen. Es folgte ein Besuch des Petersdoms, des größten und prunkvollsten christlichen Kirchengebäudes der Welt.

Am Nachmittag hatten die Frauen die Gelegenheit, die Rede von Vicki Jacoby, "Female Martyrs of the Roman Empire" zu hören; es schloß eine einstündige "Q&A session" an, die allen Teilnehmern offen stand.
Zeitgleich fanden weitere Veranstaltungen des I.T.S. statt. Zunächst hatte man die Wahl, entweder an einer Diskussionsgruppe zum Thema "Biblical Preaching" oder einer anderen zum Thema "Grace and Works" teilzunehmen. Anschließend konnte man sich zwischen den Diskussionsgruppen "How the world really perceives America" oder "Processing Input" entscheiden.
Nach einer Bustour durch Rom "bei Nacht" rundete das letzte gemeinsame Abendessen den Tag ab.


Das Programm des letzten Tages begann mit Kurznachrichten über HOPE worldwide. Anschließend hielt Douglas Jacoby eine Rede zum Thema "Rome & Revelation", in der er nicht nur höchst interessante Gedanken zum letzten Buch der Bibel vermittelte, sondern auch schwierige Interpretationsfragen nicht unberührt ließ. Vor allem aber machte die Rede zweierlei deutlich: Erstens, wie sehr wir Christen in heutiger Zeit dieses Buch immer noch nötig haben; und zweitens, wie unabdingbar eine sachkundige Auseinandersetzung mit der Offenbarung ist, wenn man sie nicht falsch auslegen will.

Nach der Rede gab es für die Teilnehmer am I.T.S. ein Forum für Feedback; anschließend wurde gemeinsam über Pläne für 2005 beraten. Ein gemeinsames Gebet in Kleingruppen bildete gegen Mittag den Abschluß.


Pantheon

B. Eigene Impressionen

Schon die beiden I.T.S. der vergangenen Jahre habe ich als große Bereicherung empfunden. Sie haben mich jeweils nachhaltig zu einem verstärkten Einsatz in der Lehre bewegt. Das diesjährige Lehrerseminar allerdings hat mich aus mehreren Gründen besonders ermutigt.

Vor allem die persönlichen Gespräche mit Freunden, die ich schon lange kenne, aber nicht so häufig zu Gesicht bekomme, aber auch die mit Geschwistern, die ich neu kennen gelernt habe, waren für mich erbauend. Zu diesen Begegnungen zählte die mit Andrew Agerbak aus London, der mir vor elf Jahren geholfen hat, zu Gott zu finden, oder die mit Brendan Timlin aus Prag, mit dem ich sehr persönlich reden und mich gut über einige Erfahrungen aus der Vergangenheit der Gemeinde austauschen konnte.
In zahlreichen Gesprächen erhielt ich wertvolle Anregungen für meine Tätigkeit in der Gemeinde, insbesondere für die Lehre. So hörte ich zum Beispiel, dass Gemeinden vor dem eigentlichen Anbetungsgottesdienst am Sonntag mit Erfolg eine "Sonntagschule für Erwachsene" anbieten - eine Einrichtung, die ich im kommenden Jahr gerne testen möchte. John Oakes ermutigte mich, in Sachen Lehre meiner grundsätzlichen Veranlagung zur Spezialisierung unbedingt nachzugehen, zeigte mir jedoch zugleich auf, dass es unabdingbar ist, auch in die Breite zu gehen - vor allen Dingen auf der Ebene der Ortsgemeinde.
Mehrfach konnte ich in Unterhaltungen erfreut feststellen, dass auch andernorts die Beziehung zu den "Mainline" Churches of Christ gesucht wird. Gregg Marutzky aus Dallas berichtete mir, dass sie in ihrer Gemeinde sogar regelmäßig jemanden aus der anderen Gemeinde zum Predigen einladen.

Von den Veranstaltungen habe ich aus den Diskussionsgruppen des I.T.S. besonders viele Anregungen erhalten. Die Atmosphäre von Offenheit, die dort herrschte, trug dazu bei, dass keine kniffligen Gedanken und Fragen unausgesprochen blieben. Die zahlreichen Literaturempfehlungen, die ich insbesondere in den Diskussionsgruppen, aber auch sonst erhielt, möchte ich gerne verbreiten.

Auch die übrigen Veranstaltungen waren sehr inspirierend und boten viel Stoff zu weiterer Reflektion. Die Rede von Gordon Ferguson erinnerte mich an eine der großen Aufgaben, die vor uns stehen: Weiter den Weg aus falsch motiviertem Leistungsdenken zu richtig motiviertem Gehorsam zu finden. Die Gedanken von Kelly Petre zur politischen Dimension des Lukasevangelium, haben mir erneut vor Augen geführt, wie viele wertvolle - und durchaus lebenspraktische - Lektionen in den biblischen Schriften enthalten sind, die sozusagen wie Schätze noch darauf warten, von jemandem gehoben zu werden. Durch Andy Flemings Rede sah ich mich dazu angespornt, nicht aufzuhören, nach einer Vision zu trachten, zu der als ein wesentlicher Bestandteil auch die Verbreitung der Guten Nachricht gehören muß. Seinen Aufruf, wieder zum einfachen Evangelium, das wir im Laufe der Jahre recht kompliziert gemacht haben, zurückzukehren, nehme ich sehr ernst.
Besonders ermutigt hat mich die Schlussrede von Douglas Jacoby. Sie stellte nach meinem Dafürhalten ein Musterbeispiel an sorgfältiger Exegese dar, kombiniert mit einem gehörigen Predigtanteil.

Ich bin aus Rom zurückgekommen, gestärkt in der Zuversicht, dass da, wo Demut und Bereitschaft zum Umdenken herrschen, Gott gegenwärtig bleibt, ganz gleich, wie viel Zeit der Prozeß des Reifens in Anspruch nehmen wird.

Bernhard Georg

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