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Reisebericht Chicago, 23 - 26. September 04
Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, dass ich zur International
Leadership Conference nach Chicago reisen durfte. Meine Reise in
die ehemalige Gangsterstadt startete am Montag, den 20. September
mit einem 3-tägigen Zwischenstopp in Boston. Valdur Koha hatte
mich eingeladen und ich kann von Herzen sage: "People like
the Koha Family keep the kingom alive". Habe mich geliebt und
umsorgt gefühlt, hatte sehr gute und intensive Gespräche
mit Valdur und hatte die Gelegenheit, mich mit Greg Nevil, einem
der Ältesten aus Boston und mit Dave Malutinok zu treffen.
Es hat auch Spaß gemacht mal auf dem Highway Auto zu fahren.
Es ist alles viel breiter und größer, aber bei uns kann
man halt doch schneller fahren als 88 km/h...
Am Mittwoch flog ich dann weiter nach Chicago. An der Konferenz
nahmen ca. 600 Geschwister aus der ganzen Welt teil. Es war sehr
schön, einige "alte" Freunde zu treffen wie z.B.
Tom Marks, mit dem ich das Zimmer teilte.
Auf der letzten Leiterkonferenz in Dallas waren noch sehr viele
Spannungen, Ängste, Unsicherheiten und Verletzungen spürbar.
Ich bin daher mit gemischten Gefühlen zur Konferenz gegangen
und ich habe mehr als gestaunt, was Gott in dem einen Jahr in unseren
Herzen verändert hatte. Mehr denn je hatte ich den Eindruck,
dass Gott im Mittelpunkt stand und nicht wir Menschen, dass das
'Leiten' eine Gabe ist und nicht DIE Gabe, und wir vor Gott alle
gleich sind. Toni Singh hat z.B. eine intensive Predigt über
Jesaja 53 gehalten, sozusagen das Evangelium pur: Wie wertvoll bin
ich für Jesus, was war er bereit, für mich zu tun und
mit welchem Herzen soll ich darauf reagieren?
Neben einigen gemeinsamen Reden, gab es viele verschiedene Workshops
wie z.B. den von Gregg Marutzky zum Thema "Geistliche Gaben"
oder von Gordon Ferguson zum Thema "Teamleitung". Zu meiner
großen Freude hat Jack Reese, Dekan an der christlichen Universität
Abilene, ein Bruder aus der Traditionellen Gemeinde Christi, eine
Predigt zum Thema "The Crux of the matter - Handling Differences"
gehalten. Nicht zuletzt hat es mich deswegen gefreut, weil Bernhard
Georg und ich in München mittlerweile eine enge Freundschaft
mit unseren Brüdern Rainer und Stephan Kallus, den Leitern
der Traditionellen Gemeinde Christi in München pflegen.
Insgesamt war deutlich zu spüren, dass überall in der
Welt in den meisten Gemeinden Gottes "Züchtigung"
über die letzten Jahre ernst genommen wird, wenn auch die verschiedenen
Gemeinden sich in unterschiedlichen Phasen der Aufarbeitung befinden.
Es war mein Eindruck, dass Fehler der Vergangenheit offen angesprochen
wurden und Demut zu spüren war von Gott und voneinander zu
lernen.
Einige Gedanken/Überzeugungen, die ich 100%ig teile:
- Wir lernen langsam, dass man Gott nicht in eine Box stecken
kann und das Leben nicht linear verläuft. Aus A+B folgt nicht
immer C. Gottes Wesen ist komplex und wir Menschen sind es auch.
Gott lehrt uns, tiefer zu gehen, mit dem Verlangen, ihn kennen
zu lernen und einander mir Respekt und Liebe zu behandeln.
- Wir waren Experten, wenn es darum geht, jemandem zu helfen,
Christ zu werden, und das ist auch sehr gut, aber wir haben zu
lernen, wie man dann jemandem hilft, ein tiefes Fundament in Christus
zu bauen. Wir müssen einander noch ganz schön viel Milch
geben, um überhaupt mal bereit für feste Speise zu sein,
gerade was zum Beispiel unser Verständnis der Gnade Gottes
und unser Ruhen in der Gnade Gottes angeht. Aber wir lernen.
Nicht alles, was wir in der Vergangenheit getan haben, war falsch.
- Jesu hat seine Jünger trainiert, sie belehrt, ermahnt und
ermutigt. Wir brauchen das auch, und zwar alle, aber wir müssen
lernen, es mit der nötigen Demut, Liebe und Respekt zu tun
im Vertrauen auf ein gutes Herz im anderen. Es ist wichtig Gnade
und Wahrheit zu leben.
- Gott möchte, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit
kommen. Immer noch sind sehr viele Menschen verloren und brauchen
das Evangelium der Gnade Gottes. Jesu hat sicherlich nicht "nur"
die Mission gelebt, aber es war ein täglicher und sehr wichtiger
Bestandteil seines Lebens und als seine Botschafter sollte uns
dies als Gemeinde auch wieder wichtig werden. Über das "wie"
und mit "welchem Herzen" muss man reden aber ein Herz
für die Verkündigung der guten Nachricht zu bekommen,
ist richtig. Und es wird im Teamwork geschehen: Der eine sät,
der andere erntet und Gott gibt das Gedeihen.
Es gab viel Zeit, für persönliche Gespräche und
man hat mitbekommen, dass dies zur Lösung einiger Konflikten
beigetragen hat.
Am Freitagabend gab es dann noch ein Treffen mit Vertretern der
ehemaligen Weltsektoren, um mal zu schauen, wie die Stimmung/Lage
so ist. Es ging hier nicht um irgendwelche Entscheidungen, sondern
einfach darum, die Lage zu sondieren. Es ist der starke Wunsch zu
verspüren, als Brüder und Schwestern weltweit zusammenzuarbeiten
und in freundschaftlichen Beziehungen verbunden zu sein. Jede Gemeinde
soll eigenständig sein und es soll keine zentrale Leitung geben.
Gefreut hat mich das klare Statement: Wir sind nicht die Bewegung
Gottes, sondern eine Bewegung Gottes.
Mein Fazit: Ich wünschte mir von Herzen, das viele Christen
aus Europa das hätten erleben können. Was ich gesehen
habe, waren Brüder und Schwestern, die unserem Gott dienen
wollen, die dankbar für ihre Rettung sind, welche die Erziehung
Gottes ernst nehmen und die lernen einander auch in den Unterschieden
zu respektieren.
Vor allem habe ich Gott gesehen: Es tut sehr gut, eine Woche mal
aller Verantwortung enthoben zu sein und vieles zu reflektieren.
Ich fliege nach Hause mit einer neuen, tieferen Freude über
meine Vergebung, mit einem tieferen Glauben an die Präsenz
Gottes/Jesu und einem tieferen Wunsch, meinem Gott zu dienen.
Hab es natürlich nicht geschafft, am Büchertisch vorbeizukommen
(wozu auch...)... Hier einige meiner Tipps:
- Crux of the matter - History-crises
and the Future of the Churches of Christ von Jack
Reese - Hilfreich, unsere Geschichte zu verstehen und unsere
Verbindung zur Mainline Church
- Strong in Grace von Tom
Jones - Hervorragendes Buch über Gnade (mit Studienteil)
- Down to Earth Discipling von Scott
Morton
- Intentional Disciplemaking von
Ron Bennett - Beides gute Bücher
über Geistliches Training und Hilfestellungen um Menschen
zu helfen Christ zu werden
- Seeing with new eyes - Counseling
and the human condition through the lens of scripture von David
Powlison - Eine sehr gutes Buch über Seelsorge mit
Studie durch Epheserbrief und einigen Psalmen
Es lohnt sich, die Predigten aus Chicago anzuhören. Ihr findet
sie unter www.disciplestoday.com,
man muss sich allerdings dafür registrieren lassen... lohnt
sich auf jeden Fall
Euer Micha
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