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A. Einleitung
Zur Reife gehört ein tragfähiges Fundament
Als jemand mit uns die Bibel studiert hat und wir Christen geworden
sind, war dies in gewisser Weise Notfallmedizin. Es galt, das drängende
Problem des Verlorenseins möglichst schnell zu lösen.
Was passiert allerdings, wenn nach der Notfallmedizin die Nahrung
und der Aufbau ausbleiben? Mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgt
ein Rückfall oder ein bleibender Defekt, eine Schwäche.
Konkretes Beispiel: Wer Christ werden will, setzt sich u.a. auch
mit dem Thema Sünde auseinander. Stellen, die wir stets benutzt
haben, Jes. 59, 1f.; Gal. 5, 19ff., sind gute Stellen; sie stehen
in der Bibel; man kann sie benutzen, um jemandem zu helfen. Aber:
sie genügen nicht, damit tiefe
Wurzeln wachsen.
Es muss zu diesen Stellen ein vertieftes,
reiferes Verständnis von Sünde
hinzukommen; wenn nicht, wird man früher oder später den
Versuchungen, die im Laufe des Christenlebens auf einen einströmen,
erliegen. Wenn man den Versuchungen nichts als diese paar Stellen,
die man am Anfang in einer "Notfallsituation" gelernt
hat, entgegenhalten kann, dann wird es eng.
Reif werden heißt "objektiver"
werden
"Objektiv" setze ich in Anführungszeichen. Viele
christliche Gruppen erheben den Anspruch, die Dinge so darzustellen,
wie sie "wirklich sind". Aussagen: "Andere haben
Teile der Wahrheit gänzlich unter den Tisch fallen lassen;
unser Anliegen ist es nunmehr, wieder der "ganzen Wahrheit"
Gehör zu verschaffen."
Das ist sehr menschlich. Wir wollen Sicherheit. Wir wollen uns deshalb
so fühlen, die ganze Wahrheit wieder aufgerichtet zu haben.
In Wirklichkeit entstehen - je nach Vorprägung, die man mitbringt,
doch immer Schwerpunkte. Da gibt es zum Beispiel christliche Gruppierungen,
die - aus Gründen, die sich bei näherem Betrachten sicher
gut nachvollziehen lassen - ein enormes Gewicht auf den Heiligen
Geist, auf Geistesgaben etc. legen.
Die Bewegung, von der wir Teil sind, kann sich von solchen Einflüssen
auch nicht freispre-chen: Wir haben ein überproportional großes
Gewicht auf das Menschenfischen gelegt - schon ganz am Anfang, wenn
es überhaupt erst einmal darum geht, Jesus kennen zu lernen.
Wenn man sich näher mit der Geschichte der Gemeinde, aus der
diese Bewegung hervorgegangen ist, befasst, wird man sicher auch
gute Erklärungen finden, warum auf diesen Aspekt so großes
Gewicht gelegt wurde.
Wie ist dies zu bewerten? Keineswegs von
vornherein negativ. Kommen wir wieder auf den Vergleich zwischen
Notfallmedizin und langfristigem Aufbau des Körpers zurück.
Stellen wir uns eine Gemeinde vor, in der in irgendeinem Bereich
ein eklatanter Missstand herrscht - nehmen wir an, nur noch 10%
der Mitglieder kommen zum GD oder engagieren sich; in solch einem
Fall würde jemand, der auf diesen Missstand reagiert, vornehmlich
Hingabe und Verantwortungsbewusstsein auf seine Fahnen schreiben.
Das ist auch gut so! Aber auf Dauer sind Hingabe und Verantwortungsbewusstsein
nicht ALLES, was eine Gemeinde braucht, um gesund zu sein. Wenn
man sich auf Dauer nur noch auf Hingabe und Verantwortungsbewusstsein
konzentriert, kommen wieder andere Bereiche zu kurz.
Wo ist die Parallele zu unserer Gemeinde? Aus verschiedenen Gründen
war das Menschenfischen überbetont. Eine Überreaktion
auf möglicherweise bestehende Lauheit. Jetzt gilt es, aus solchen
"Anfangserscheinungen" herauszuwachsen und uns um Ausgewogenheit
zu bemühen, darum, ein "objektiveres" Verständnis
zu gewinnen. "Objektiv" sollten wir, meine ich, nach wie
vor in " " belassen. Was wir hier gemeinsam erarbeiten,
wird allerdings desto objektiver, je mehr wir alle aktiv bei der
Sache sind und das, was wir zu bestimmten Fragen an biblischem Wissen
und Überzeugungen haben - nicht: MEINUNGEN! - mit einbringen.
B. Die Not des Menschen
Die Gemeinde ist das Volk Gottes, der Leib Christi, die Gemeinschaft
des Heiligen Geistes; das heißt, ein Volk, dass durch seine
Beziehung zu Gott charakterisiert ist. Man wird ein Teil der Gemeinde,
indem man dem Volk Gottes, dem Leib Christi, einverleibt wird, und
den Hl. Geist empfängt. Uns geht es nun darum, zu beschreiben,
wie dies vonstatten geht. Derselbe Gedanke, als Frage formuliert:
Wie wird man gerettet? Warum brauchen Menschen Rettung?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns mit der biblischen
Lehre von der Sünde beschäftigen, den menschlichen Zustand
näher betrachten.
Die Aussagen der Schrift über die universelle Sündhaftigkeit
des Menschen (Röm. 3, 23; Röm.
3, 9-18 (Zitate aus Ps. 141 und 53)
werden durch das Gewissen bestätigt. Hier bietet sich ein Anknüpfungspunkt
für die Predigt des Evangeliums.
Die Natur des Menschen
Die NT-Bedeutung von Sünde kann nur vor dem AT-Hintergrund
verstanden werden. Die vollständigste und gründlichste
Diskussion der menschlichen Natur in der Schrift findet sich in
Gen. 1-3. Hier wird sozusagen das Paradox der menschlichen Natur
enthüllt: Großartigkeit und Verkommenheit, Majestät
und Elend.
Nach Gen. 1, 26f. ist die Menschheit,
Männer und Frauen, nach dem Bild Gottes geschaffen und als
Herrscher über die Schöpfung eingesetzt. Hierin liegt
die Großartigkeit
Gen. 2, 7: Der erste Mensch wird vom
Staub der Erde gemacht; Fortgang der Geschichte: Er ist der Versuchung,
der Sünde, der Krankheit und dem Tod unterworfen; hierin liegt
das Elend.
Von allen bestehenden Weltanschauungen trägt nur die biblische
Lehre von der Schöpfung und vom Sündenfall dieser zwiespältigen
Natur des Menschen Rechnung: Streben, Ideale, geniale Momente auf
der einen Seite; auf der anderen Seite jedoch Zu kurz kommen, Frustration,
Versagen.
Theologen diskutieren, ob der Sündenfall historisch oder symbolisch
ist. Er ist beides. Er ist die Geschichte des ersten Menschenpaares;
er ist zugleich die Geschichte von jedem Mann und jeder Frau.
In Gen. 3 finden sich 4 bedeutende Realitäten der menschlichen
Natur:
a. Versuchung
Gen. 3: Versuchung kommt zu Eva auf
drei Weisen (Gen. 3, 6).
Auch sonst in der Schrift dreigliedrige Beschreibung von Versuchung:
1. Joh. 2, 16; Mt. 4, 1-11; Lk. 4, 3-12: Steine in Brot verwandeln
Fleischeslust), alle Reiche der Welt sehen und das Angebot bekommen,
über sie zu herrschen (Augenlust), sich von der Zinne des Tempels
herabstürzen (Gott versuchen, indem man eine spezielle oder
gottesähnliche Position für sich in An-spruch nimmt).
Es gibt keine strikten Parallelen, aber Ähnlichkeiten zw. diesen
Dreierreihen von Versuchungen
Hinter all den Arten von Versuchung liegt eine grundlegende Versuchung:
Die Versuchung, unsere Stellung als Geschöpf zu verleugnen
und gegen Gott zu rebellieren:
Röm. 1, 25: Es ist die Neigung
des Menschen, sich nach der Schöpfung auszustrecken, aber den
Schöpfer zu verleugnen. Menschen wollen das leben nach ihren
eigenen Regeln leben.
Gen 3, 5: Die fundamentale Versuchung:
Wir wollen unser eigener Gott sein. Die erhabene Position des Menschen
in der Schöpfung macht ihn möglicherweise besonders empfänglich
für dieses Verlangen, Gott zu spielen.
Es gab viel Spekulation über die Art des Baumes im Garten
Eden... Jeder Baum hätte seinen Zweck erfüllt: Das Gute
ist, zu tun, was Gott sagt; schlecht ist es, nicht zu tun was Gott
sagt.
"Gut und Böse kennen" ist im AT sonst gleichbedeutend
mit "festlegen/ entscheiden, was gut und was böse ist".
Dies steht nach dem biblischen Verständnis nur Gott zu.
Wir Menschen wollen jedoch für uns selbst entscheiden, was
gut und was böse ist, was richtig und was falsch. Nur Gott
kann das festlegen. Wir wollen den Platz Gottes einnehmen. Dies
ist die grundlegende Versuchung. Es war der Sturz von Eva und Adam;
es ist unser Sturz.
Die Realität der Versuchung offenbart eine andere Realität,
die der Freiheit des Willens. Ohne die Freiheit, zu wählen,
gäbe es keine Versuchung.
Die grundlegende biblische Perspektive ist: Der Mensch hat die
Verantwortung, der Sünde und ihrem Einfluss zu widerstehen:
Eph. 6, 11-13. 16; Jak. 4, 7; 1. Petr. 5, 9).
b. Sünde
Die Erfahrung von Adam und Eva ist die Erfahrung eines jeden: Alle
haben gesündigt (Röm. 5, 12)
Grundlegend für die Sündhaftigkeit des Menschen ist das
Versäumnis, Gott als Gott anzuerkennen.
Paulus beschreibt in Röm. 1 die Sündhaftigkeit der Welt
ohne Gott; dabei betont er das Versäumnis, Gott zu ehren und
ihm zu danken (Röm. 1, 21. 28). Das bestätigt unsere Erfahrung:
Je undankbarer wir werden, umso mehr können sich Sünden
einschleichen: Unzufriedenheit führt zu Habgier und anderen
Ersatzbefriedigungen.
Was nach den biblischen Beschreibungen zur Sünde gehört,
mag man mit dem Oberbegriff "Ungehorsam" zusammenfassen.
Sünde bedeutet, den Geboten Gottes nicht zu gehorchen - siehe
Adam und Eva.
Das Praktizieren von Sünde weckt das Gewissen:
man verspürt inneren Schmerz, weil man etwas tut, wovon man
gelernt hat, dass es falsch ist.
Gen. 3, 7-11: A. und E. wollen sich
vor Gott verstecken. Wir reagieren auf dieselbe Weise; unsere Reaktion
mag anspruchsvoller sein, aber unsere Entschuldigungen sind nach
wie vor Feigenblätter. Wir versuchen, vor Gott wegzulaufen
und uns vor Rechenschaft zu verstecken.
Als Adam und Eva gefunden werden, tun sie, was alle Menschen tun:
Sie versuchen, der Verantwortung zu entgehen, indem sie jemand anderem
die Schuld geben: Gen. 4, 12f.
Hier zeigt sich das universelle menschliche Dilemma: Fähig
zum Guten sein, und es besser wissen, aber nicht danach leben. Zweifältige
Natur des Menschen: Bild Gottes und Staub.
c. Strafe
Als Konsequenz der Sünde folgt die dritte Realität der
menschlichen Natur, ebenfalls in Gen. 3 beschrieben, die Erfahrung
von Strafe (Vertreibung aus dem Garten). Der Strafe für Sünde
ist nicht zu entrinnen.
Gen. 3, 16: Strafe für die Frau
- Schmerzen bei der Geburt - nicht die Geburt selbst (Gen. 1, 28
+ 31)
Gen. 3, 17-19: Strafe für den
Mann - die Begleitumstände der Arbeit - nicht die Arbeit selbst
(Gen. 2, 15). Arbeit ist gut, weil wir uns durch sie als Personen
definieren. Nach dem Fall kommen "Mühe und Schweiß"
hinzu und der Boden bringt auch Dornen und Disteln hervor.
Schmerz ist in der Welt als Folge der Sünde. Er ist nicht
Teil der ursprünglichen Schöpfungs-ordnung.
Gen. 3, 22-24: Weitere Strafe für
beide: Vertreibung vom Garten und vom Baum des Lebens.
Gen. 3, 19: Die ultimative Strafe
für Sünde war der Tod: Warnung in 2, 17 - auch Eva wusste
dies (3, 3).
Obwohl der geistliche Tod, die Trennung von Gott, inbegriffen war,
deutet die Erläuterung der Strafe (die Rückkehr zu Staub)
ganz spezifisch auf den physischen Tod hin. Die "große
Lüge" der Schlage war, diese Konsequenz der Sünde
zu leugnen (Gen. 3, 4).
Menschen strengen sich sehr an, um diese unschöne Aussicht
zu vermeiden oder zu leugnen; aber wir sind geboren um zu sterben.
d. Erlösung
Wenn die Geschichte hier endete, wären die Aussichten für
die Menschheit nicht sehr rosig. Glücklicherweise geht die
Geschichte aber weiter. Eine weitere großartige Wirklichkeit
ist die Hoffnung auf Erlösung
Gott verflucht die Schlange (3, 14); aber er macht gleichzeitig
ein Versprechen: Gen. 3, 15: Von Christen oft als erste messianische
Prophezeiung gesehen - der Text an sich lässt dies nicht zu;
von der Perspektive des Kommens Christi betrachtet ist es jedoch
möglich, eine vollere Bedeutung dieses Versprechens zu sehen
(interessante Parallele: Röm. 16, 20): Die Mensch-heit triumphiert
über Versuchung, Sünde und Strafe durch einen Mann; Christus
wird zwar durch Satan verwundet, aber zertritt der Schlange den
Kopf.
Die Menschen triumphieren über das Böse durch den neuen
Adam, den perfekten Mann (Röm. 15, 15-17).
Jesus Christus ist der wahre Mann - das, was ein Mensch eigentlich
sein sollte.
Weitere theologische Reflektionen über Sünde
Das übliche griechische Wort für Sünde ist "hamartia"
- ein Fehler, ein Urteil im Irrtum; "hamartano" - das
Ziel verfehlen. In der Bibel wird der Begriff mit einem viel stärkeren
Inhalt gefüllt: Sünde richtet sich gegen Gott - es ist
der göttliche Maßstab, der verfehlt wird; deshalb ist
Sünde sehr ernst.
Was beinhaltet die Sünde?
1. Rebellion gegen Gott
Sünde ist eine Entscheidung, dass die Menschen dass Recht haben,
festzulegen was gut und was böse ist (Gen. 3, 22). Das Ego
setzt sich ans Steuer und weigert sich, Gott als Gott anzuerkennen.
Die Haltung von Jesus war die entgegengesetzte: er wies Satans Verlockungen
zurück, Gott zu verdrängen und selbst zu übernehmen
(Mt. 4, 1-10)
2. Undankbarkeit
Gott nicht als den Schöpfer von allem und als Geber von allem
Guten anerkennen (Röm. 1, 21. 25. 28; Jak. 1, 17). Versäumnis,
Gottes Liebe mit Liebe zu erwidern (Ps. 78, 7. 11. 35; 106, 7. 13.
21. 47).
3. Selbstliebe
Sich von der Liebe zu Gott abwenden und der Liebe zum Selbst als
dem höchsten Gut zuwenden. Es gibt ein Maß an Selbstliebe,
das gut ist (Mt. 22, 39).
4. Stolz
Exzessive Selbstachtung, angemaßte Selbstgenügsamkeit
(Jak. 4, 6; 1. Petr. 5, 5). Stolz leugnet die eigene Begrenztheit
als Geschöpf. Stolz beinhaltet die Illusion, sich selbst retten
zu können.
5. Entfremdung, oder Abwendung, von Gott
Sünde beinhaltet Trennung und Entfremdung (Jes. 59, 2) - von
Gott, von seinem eigenen wahren Wesen, und folglich von der Realität
und von anderen Menschen.
C. Gottes Handeln
Joh. 3, 16
Angesichts der biblischen Lehre über die menschliche Natur
und über Sünde besteht die einzige Möglichkeit für
Menschen, gerettet zu werden, darin, dass Gott in seiner Gnade die
Initiative ergreift. Der einzige Weg, Gottes Gnade anzunehmen, ist,
die gute Nachricht zu glauben (dass Gott sich in Jesus freiwillig
für die Vergebung der Sünden der Menschen gegeben hat),
und Gott zu vertrauen - Inhalt der nächsten Stunden
Im Verlauf der Geschichte des Christentums: zahlreiche Theorien
von der Versöhnung - die Schrift gibt uns keine "systematische
Theorie der Versöhnung".
Oftmals enthüllt die Schrift eine Tatsache oder verkündet
eine Wahrheit, aber bietet keine Er-klärung an, warum etwas
so ist, wie es ist. Bezüglich der Sühne/ Versöhnung
gibt es keine Erklärung, warum Gott den Tod von Jesus als Grundlage
für die Sündenvergebung akzeptiert.
Stattdessen wird die Tatsache der Versöhnung enthüllt
und werden Illustrationen gegeben: Die Autoren des NT beschreiben
die Versöhnung in Bildern, die die Menschen der damaligen Zeit
verstehen konnten - diese Bilder beschreiben oder illustrieren eine
Realität, aber erklären nicht, wie diese Realität
funktioniert. Die Sprache, die benutzt wird, ist die aus den Bereichen
Religi-on, Beziehungen, Handel, Gericht und Militär.
a. Erstes Bild: Sühneopfer - Die Sprache
des Gottesdienstes
Eph. 5, 2
- Opfer - ein universaler religiöser Begriff in der antiken
Welt - viele Opfer beinhalteten das Toten eines Tieres: daher die
Übertragung auf Jesus' Tod am Kreuz
Eine ausführliche Diskussion von Jesus' Tod unter Verwendung
der Sprache des AT-Opfersystems: Heb. 7, 1 - 10, 10
Im klassischen Griechisch bedeutet hilaskomai' = 'besänftigen,
beschwichtigen' - eine erzürnte Person oder Gottheit
Im NT Wortgebrauch hat das Wort stets Sünde als Gegenstand,
z.B. Heb. 2, 17
Für das Substantiv hilasmos' = Sühneopfer'
vgl. z.B. 1. Joh. 2, 2; 4, 10
Im Gegensatz zu anderen Sühneopfer sind es nicht Menschen
sondern Gott, der das Sühneopfer darbringt: 1.
Joh. 4, 10; Rom. 3, 25 (hier: hilasterion' = Sühnemittel'
(Gnadenstuhl im AT)
Wenn man
darüber nachdenkt, ist dies in der Tat der einzige Weg, wie
Sühne erfolgen konnte: von Seiten Gottes
AUCH BEI DEN ANDEREN BILDERN VON DER SÜHNE/ VERSÖHNUNG
IST GOTT DERJENIGE, DER HANDELT!!
Das göttliche Handeln für
die Erlösung des Menschen kehrt das gewöhnliche Verständnis
von Religion völlig um - Bild
des Berges, den nicht wir zu erklimmen suchen, sondern, von dem
Gott seine Hand zu uns herunterreicht
b. Zweites Bild: Versöhnung - die Sprache
persönlicher Beziehungen
Ursprung nicht rel. Sprache, sondern diplomatische Terminologie
Das griechische Wort:katalasso' = (urspr.) austauschen; von
Feindschaft zu Freundschaft wechseln, wieder zum Freund machen
Das Wort wird im NT ausschließlich von Paulus benutzt: Paulus
beschreibt die Rettung so, dass die Menschheit in einen Zustand
der Freundschaft mit Gott gebracht wird
2. Kor. 5, 18-20:
- Das Subjekt der Handlung, der, der die Versöhnung bewirkt,
ist GOTT
- Gott muss nicht mit uns versöhnt werden, sondern wir mit
ihm
- Weil unsere Sünden uns von Gott entfremdet haben, musste
Gott die Initiative ergreifen, die Beziehung wiederherzustellen
- V. 18: "Aber das alles (die neue Schöpfung) kommt von
Gott."
- Christus ist der Mittler
Röm. 5, 10f.:
- Wir haben uns zu Feinden gemacht; Gott hat sich aufgemacht, um
uns wieder zu Freunden zu machen; Christus ist der Mittler
a. Tim: 2, 5:
- Wieder: Jesus, der Mittler; cf. auch Röm.
5, 1
Das Thema von Jesus' Dienst war Frieden (Apg.
10, 34-36); dieser Friede war v. a. zwischen Gott und der
Menschheit (Röm. 5, 1)
Kol. 1, 20-22:
- die praktischen Konsequenzen der Versöhnung auf das Verhalten
- Feinde, oder die, die sich dafür halten, tun einander schlimme
Dinge an; Freunde tun gute Dinge für einander
WIEDER IST ES GOTT, DER DIE INITIATIVE ERGREIFT
c. Drittes Bild: Loskauf/ Lösegeld -
die Sprache des Marktplatzes
Das griechische apolytrosis' = Zurückkaufen',
wurde benutzt für den Rückkauf eines Sklaven oder Gefangenen;
dieses Wort wird benutzt für "den Loskauf/ die Erlösung
von Übertretungen"
Der Loskauf ist "in Christus Jesus": Röm.
3, 24; 1. Kor. 1, 30
Der Loskauf ist gleichbedeutend mit der gegenwärtigen Sündenvergebung
(Kol. 1, 14) oder der künftigen
Erlösung des Körpers (Röm.
8, 23) - beide Male apolytrosis'
Das griechische lutron' = Lösegeld' wurde vor
allem benutzt für den Rückkauf solcher, die Gefangene
waren, sei es im Krieg oder von Piraten
1. Petr. 1, 18f.:
- Betonung auf dem Preis (hier wird das Verb lytroo' benutzt)
Tit. 2, 14:
- Betonung auf der Befreiung aus der Ungerechtigkeit zu einem Leben
guter Taten (ebenfalls lytroo')
WIEDER: GOTT IST ES, DER DEN PREIS BEZAHLT
d. Viertes Bild: Rechtfertigung - die Sprache des Gerichtssaals
Die Durchschnittsperson in der griechischen Welt hatte viel mehr
direkte Erfahrungen mit den Gerichten als die von heute - jedermann
konnte sich für seine Sache einsetzen, nicht nur professionelle
Anwälte
- AT: im nichtreligiösen Kontext: gerechtfertigt sein = vom
König angenommen sein
- NT: setzt diesen Gebrauch fort - in der religiösen Sphäre
ist Gott der König, der ein Ver-dikt/ einen Urteilsspruch ausgesprochen
hat, der die Lage der Person, die vor ihm steht, völlig ändert:
"Nicht schuldig" oder besser: "schuldig, aber begnadigt"
Paulus ist derjenige, der den meisten Gebrauch von diesem Bild
macht.
Der griechische Begriff ist
= für 'nicht schuldig' erklären'
Röm. 4, 25; 5, 18:
- Gerechtmachung; Gerechtsprechung = justification
Phil. 3, 9:
- Rechtfertigung wird durch den Glauben empfangen/ akzeptiert:
- der Glaubende verlässt sich auf das Wirken Gottes in Christus
und sagt sich ganz davon los, eine eigene Gerechtigkeit für
sich in Anspruch zu nehmen
WIEDER: DIE GERECHTIGKEIT WIRD VON GOTT GESCHENKT
e. Fünftes Bild: Sieg - die Sprache des Kampfes
Kol. 2, 15:
- 'thriambeuo' = das Wort, das benutzt wurde, wenn die römische
Truppen nach dem Sieg über den Feind einen Triumphzug abhielten
- "Fürsten und Gewalten" - gemeint sind geistliche
Wesen, die den Plänen Gottes im Weg stehen
Zusammenfassung:
- Militärischer Sieg überwindet die bösen Mächte
- Rechtfertigung überwindet das Gesetz und die Schuld
- Loskauf / Erlösung überwindet die Sklaverei unter der
Sünde
- Versöhnung überwindet die Feindschaft
- Opfer stillt den Bedarf nach Beschwichtigung
- Ob man in Begriffen des Tempels, der persönlichen Bez.,
des Marktplatzes, des Gerichtssaales oder des Schlachtfeldes denkt:
Gott ist am Wirken
- Jedes der fünf Bilder von der Sühne betont das, was
Gott getan hat: er hat das Sühneopfer gebracht, er hat versöhnt,
er hat losgekauft, er hat gerechtfertigt, er hat den Sieg gewonnen
- in allen Aspekten triumphiert Gott.
Appendix: Die Predigt vom Kreuz
- Am Ende von allen vier Evangelien steht der Missionsauftrag
1. Kor. 15, 1-5:
- Die Predigt der GN von Jesus ist die Predigt dessen, was die Versöhnung
vollbringt - Die Predigt des Ev. und die Versöhnung werden
in dieser Stelle mit einander verbunden
- Die Predigt des Evangelium von Jesus' Tod, Begräbnis und
Auferstehung stellt den Übergang von der göttlichen zur
menschlichen Seite der Rettung dar.
- Gott hat nicht nur die Rettung eingerichtet, sondern auch die
Verkündigung der Rettung.
Jak. 1, 18:
- Die Predigt ist ein Teil von Gottes Heilsplan. Sie wird von Menschen
ausgeführt, aber auf Gottes Auftrag hin. Sie ist der Weg, wie
Gott sein Erlösungswerk in Christus und das menschliche Empfangen
dieser Erlösung verbindet.
Bernhard Georg, IGC Munich
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