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Grundlagen des Glaubens - der Heilsweg von Bernhard Georg ©

 

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A. Einleitung

Zur Reife gehört ein tragfähiges Fundament

Als jemand mit uns die Bibel studiert hat und wir Christen geworden sind, war dies in gewisser Weise Notfallmedizin. Es galt, das drängende Problem des Verlorenseins möglichst schnell zu lösen. Was passiert allerdings, wenn nach der Notfallmedizin die Nahrung und der Aufbau ausbleiben? Mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgt ein Rückfall oder ein bleibender Defekt, eine Schwäche.

Konkretes Beispiel: Wer Christ werden will, setzt sich u.a. auch mit dem Thema Sünde auseinander. Stellen, die wir stets benutzt haben, Jes. 59, 1f.; Gal. 5, 19ff., sind gute Stellen; sie stehen in der Bibel; man kann sie benutzen, um jemandem zu helfen. Aber: sie genügen nicht, damit tiefe Wurzeln wachsen.
Es muss zu diesen Stellen ein vertieftes, reiferes Verständnis von Sünde hinzukommen; wenn nicht, wird man früher oder später den Versuchungen, die im Laufe des Christenlebens auf einen einströmen, erliegen. Wenn man den Versuchungen nichts als diese paar Stellen, die man am Anfang in einer "Notfallsituation" gelernt hat, entgegenhalten kann, dann wird es eng.

Reif werden heißt "objektiver" werden

"Objektiv" setze ich in Anführungszeichen. Viele christliche Gruppen erheben den Anspruch, die Dinge so darzustellen, wie sie "wirklich sind". Aussagen: "Andere haben Teile der Wahrheit gänzlich unter den Tisch fallen lassen; unser Anliegen ist es nunmehr, wieder der "ganzen Wahrheit" Gehör zu verschaffen."
Das ist sehr menschlich. Wir wollen Sicherheit. Wir wollen uns deshalb so fühlen, die ganze Wahrheit wieder aufgerichtet zu haben.

In Wirklichkeit entstehen - je nach Vorprägung, die man mitbringt, doch immer Schwerpunkte. Da gibt es zum Beispiel christliche Gruppierungen, die - aus Gründen, die sich bei näherem Betrachten sicher gut nachvollziehen lassen - ein enormes Gewicht auf den Heiligen Geist, auf Geistesgaben etc. legen.

Die Bewegung, von der wir Teil sind, kann sich von solchen Einflüssen auch nicht freispre-chen: Wir haben ein überproportional großes Gewicht auf das Menschenfischen gelegt - schon ganz am Anfang, wenn es überhaupt erst einmal darum geht, Jesus kennen zu lernen. Wenn man sich näher mit der Geschichte der Gemeinde, aus der diese Bewegung hervorgegangen ist, befasst, wird man sicher auch gute Erklärungen finden, warum auf diesen Aspekt so großes Gewicht gelegt wurde.

Wie ist dies zu bewerten? Keineswegs von vornherein negativ. Kommen wir wieder auf den Vergleich zwischen Notfallmedizin und langfristigem Aufbau des Körpers zurück. Stellen wir uns eine Gemeinde vor, in der in irgendeinem Bereich ein eklatanter Missstand herrscht - nehmen wir an, nur noch 10% der Mitglieder kommen zum GD oder engagieren sich; in solch einem Fall würde jemand, der auf diesen Missstand reagiert, vornehmlich Hingabe und Verantwortungsbewusstsein auf seine Fahnen schreiben. Das ist auch gut so! Aber auf Dauer sind Hingabe und Verantwortungsbewusstsein nicht ALLES, was eine Gemeinde braucht, um gesund zu sein. Wenn man sich auf Dauer nur noch auf Hingabe und Verantwortungsbewusstsein konzentriert, kommen wieder andere Bereiche zu kurz.

Wo ist die Parallele zu unserer Gemeinde? Aus verschiedenen Gründen war das Menschenfischen überbetont. Eine Überreaktion auf möglicherweise bestehende Lauheit. Jetzt gilt es, aus solchen "Anfangserscheinungen" herauszuwachsen und uns um Ausgewogenheit zu bemühen, darum, ein "objektiveres" Verständnis zu gewinnen. "Objektiv" sollten wir, meine ich, nach wie vor in " " belassen. Was wir hier gemeinsam erarbeiten, wird allerdings desto objektiver, je mehr wir alle aktiv bei der Sache sind und das, was wir zu bestimmten Fragen an biblischem Wissen und Überzeugungen haben - nicht: MEINUNGEN! - mit einbringen.


B. Die Not des Menschen

Die Gemeinde ist das Volk Gottes, der Leib Christi, die Gemeinschaft des Heiligen Geistes; das heißt, ein Volk, dass durch seine Beziehung zu Gott charakterisiert ist. Man wird ein Teil der Gemeinde, indem man dem Volk Gottes, dem Leib Christi, einverleibt wird, und den Hl. Geist empfängt. Uns geht es nun darum, zu beschreiben, wie dies vonstatten geht. Derselbe Gedanke, als Frage formuliert: Wie wird man gerettet? Warum brauchen Menschen Rettung?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns mit der biblischen Lehre von der Sünde beschäftigen, den menschlichen Zustand näher betrachten.

Die Aussagen der Schrift über die universelle Sündhaftigkeit des Menschen (Röm. 3, 23; Röm. 3, 9-18 (Zitate aus Ps. 141 und 53) werden durch das Gewissen bestätigt. Hier bietet sich ein Anknüpfungspunkt für die Predigt des Evangeliums.

Die Natur des Menschen

Die NT-Bedeutung von Sünde kann nur vor dem AT-Hintergrund verstanden werden. Die vollständigste und gründlichste Diskussion der menschlichen Natur in der Schrift findet sich in Gen. 1-3. Hier wird sozusagen das Paradox der menschlichen Natur enthüllt: Großartigkeit und Verkommenheit, Majestät und Elend.
Nach Gen. 1, 26f. ist die Menschheit, Männer und Frauen, nach dem Bild Gottes geschaffen und als Herrscher über die Schöpfung eingesetzt. Hierin liegt die Großartigkeit
Gen. 2, 7: Der erste Mensch wird vom Staub der Erde gemacht; Fortgang der Geschichte: Er ist der Versuchung, der Sünde, der Krankheit und dem Tod unterworfen; hierin liegt das Elend.

Von allen bestehenden Weltanschauungen trägt nur die biblische Lehre von der Schöpfung und vom Sündenfall dieser zwiespältigen Natur des Menschen Rechnung: Streben, Ideale, geniale Momente auf der einen Seite; auf der anderen Seite jedoch Zu kurz kommen, Frustration, Versagen.

Theologen diskutieren, ob der Sündenfall historisch oder symbolisch ist. Er ist beides. Er ist die Geschichte des ersten Menschenpaares; er ist zugleich die Geschichte von jedem Mann und jeder Frau.

In Gen. 3 finden sich 4 bedeutende Realitäten der menschlichen Natur:

a. Versuchung

Gen. 3: Versuchung kommt zu Eva auf drei Weisen (Gen. 3, 6).
Auch sonst in der Schrift dreigliedrige Beschreibung von Versuchung: 1. Joh. 2, 16; Mt. 4, 1-11; Lk. 4, 3-12: Steine in Brot verwandeln Fleischeslust), alle Reiche der Welt sehen und das Angebot bekommen, über sie zu herrschen (Augenlust), sich von der Zinne des Tempels herabstürzen (Gott versuchen, indem man eine spezielle oder gottesähnliche Position für sich in An-spruch nimmt).
Es gibt keine strikten Parallelen, aber Ähnlichkeiten zw. diesen Dreierreihen von Versuchungen

Hinter all den Arten von Versuchung liegt eine grundlegende Versuchung: Die Versuchung, unsere Stellung als Geschöpf zu verleugnen und gegen Gott zu rebellieren:

Röm. 1, 25: Es ist die Neigung des Menschen, sich nach der Schöpfung auszustrecken, aber den Schöpfer zu verleugnen. Menschen wollen das leben nach ihren eigenen Regeln leben.

Gen 3, 5: Die fundamentale Versuchung: Wir wollen unser eigener Gott sein. Die erhabene Position des Menschen in der Schöpfung macht ihn möglicherweise besonders empfänglich für dieses Verlangen, Gott zu spielen.

Es gab viel Spekulation über die Art des Baumes im Garten Eden... Jeder Baum hätte seinen Zweck erfüllt: Das Gute ist, zu tun, was Gott sagt; schlecht ist es, nicht zu tun was Gott sagt.

"Gut und Böse kennen" ist im AT sonst gleichbedeutend mit "festlegen/ entscheiden, was gut und was böse ist". Dies steht nach dem biblischen Verständnis nur Gott zu.
Wir Menschen wollen jedoch für uns selbst entscheiden, was gut und was böse ist, was richtig und was falsch. Nur Gott kann das festlegen. Wir wollen den Platz Gottes einnehmen. Dies ist die grundlegende Versuchung. Es war der Sturz von Eva und Adam; es ist unser Sturz.

Die Realität der Versuchung offenbart eine andere Realität, die der Freiheit des Willens. Ohne die Freiheit, zu wählen, gäbe es keine Versuchung.

Die grundlegende biblische Perspektive ist: Der Mensch hat die Verantwortung, der Sünde und ihrem Einfluss zu widerstehen: Eph. 6, 11-13. 16; Jak. 4, 7; 1. Petr. 5, 9).

b. Sünde

Die Erfahrung von Adam und Eva ist die Erfahrung eines jeden: Alle haben gesündigt (Röm. 5, 12)
Grundlegend für die Sündhaftigkeit des Menschen ist das Versäumnis, Gott als Gott anzuerkennen.
Paulus beschreibt in Röm. 1 die Sündhaftigkeit der Welt ohne Gott; dabei betont er das Versäumnis, Gott zu ehren und ihm zu danken (Röm. 1, 21. 28). Das bestätigt unsere Erfahrung: Je undankbarer wir werden, umso mehr können sich Sünden einschleichen: Unzufriedenheit führt zu Habgier und anderen Ersatzbefriedigungen.

Was nach den biblischen Beschreibungen zur Sünde gehört, mag man mit dem Oberbegriff "Ungehorsam" zusammenfassen. Sünde bedeutet, den Geboten Gottes nicht zu gehorchen - siehe Adam und Eva.

Das Praktizieren von Sünde weckt das Gewissen: man verspürt inneren Schmerz, weil man etwas tut, wovon man gelernt hat, dass es falsch ist.

Gen. 3, 7-11: A. und E. wollen sich vor Gott verstecken. Wir reagieren auf dieselbe Weise; unsere Reaktion mag anspruchsvoller sein, aber unsere Entschuldigungen sind nach wie vor Feigenblätter. Wir versuchen, vor Gott wegzulaufen und uns vor Rechenschaft zu verstecken.
Als Adam und Eva gefunden werden, tun sie, was alle Menschen tun: Sie versuchen, der Verantwortung zu entgehen, indem sie jemand anderem die Schuld geben: Gen. 4, 12f.
Hier zeigt sich das universelle menschliche Dilemma: Fähig zum Guten sein, und es besser wissen, aber nicht danach leben. Zweifältige Natur des Menschen: Bild Gottes und Staub.

c. Strafe

Als Konsequenz der Sünde folgt die dritte Realität der menschlichen Natur, ebenfalls in Gen. 3 beschrieben, die Erfahrung von Strafe (Vertreibung aus dem Garten). Der Strafe für Sünde ist nicht zu entrinnen.

Gen. 3, 16: Strafe für die Frau - Schmerzen bei der Geburt - nicht die Geburt selbst (Gen. 1, 28 + 31)

Gen. 3, 17-19: Strafe für den Mann - die Begleitumstände der Arbeit - nicht die Arbeit selbst (Gen. 2, 15). Arbeit ist gut, weil wir uns durch sie als Personen definieren. Nach dem Fall kommen "Mühe und Schweiß" hinzu und der Boden bringt auch Dornen und Disteln hervor.

Schmerz ist in der Welt als Folge der Sünde. Er ist nicht Teil der ursprünglichen Schöpfungs-ordnung.

Gen. 3, 22-24: Weitere Strafe für beide: Vertreibung vom Garten und vom Baum des Lebens.

Gen. 3, 19: Die ultimative Strafe für Sünde war der Tod: Warnung in 2, 17 - auch Eva wusste dies (3, 3).
Obwohl der geistliche Tod, die Trennung von Gott, inbegriffen war, deutet die Erläuterung der Strafe (die Rückkehr zu Staub) ganz spezifisch auf den physischen Tod hin. Die "große Lüge" der Schlage war, diese Konsequenz der Sünde zu leugnen (Gen. 3, 4).
Menschen strengen sich sehr an, um diese unschöne Aussicht zu vermeiden oder zu leugnen; aber wir sind geboren um zu sterben.

d. Erlösung

Wenn die Geschichte hier endete, wären die Aussichten für die Menschheit nicht sehr rosig. Glücklicherweise geht die Geschichte aber weiter. Eine weitere großartige Wirklichkeit ist die Hoffnung auf Erlösung
Gott verflucht die Schlange (3, 14); aber er macht gleichzeitig ein Versprechen: Gen. 3, 15: Von Christen oft als erste messianische Prophezeiung gesehen - der Text an sich lässt dies nicht zu; von der Perspektive des Kommens Christi betrachtet ist es jedoch möglich, eine vollere Bedeutung dieses Versprechens zu sehen (interessante Parallele: Röm. 16, 20): Die Mensch-heit triumphiert über Versuchung, Sünde und Strafe durch einen Mann; Christus wird zwar durch Satan verwundet, aber zertritt der Schlange den Kopf.

Die Menschen triumphieren über das Böse durch den neuen Adam, den perfekten Mann (Röm. 15, 15-17).
Jesus Christus ist der wahre Mann - das, was ein Mensch eigentlich sein sollte.

Weitere theologische Reflektionen über Sünde

Das übliche griechische Wort für Sünde ist "hamartia" - ein Fehler, ein Urteil im Irrtum; "hamartano" - das Ziel verfehlen. In der Bibel wird der Begriff mit einem viel stärkeren Inhalt gefüllt: Sünde richtet sich gegen Gott - es ist der göttliche Maßstab, der verfehlt wird; deshalb ist Sünde sehr ernst.


Was beinhaltet die Sünde?

1. Rebellion gegen Gott
Sünde ist eine Entscheidung, dass die Menschen dass Recht haben, festzulegen was gut und was böse ist (Gen. 3, 22). Das Ego setzt sich ans Steuer und weigert sich, Gott als Gott anzuerkennen. Die Haltung von Jesus war die entgegengesetzte: er wies Satans Verlockungen zurück, Gott zu verdrängen und selbst zu übernehmen (Mt. 4, 1-10)

2. Undankbarkeit
Gott nicht als den Schöpfer von allem und als Geber von allem Guten anerkennen (Röm. 1, 21. 25. 28; Jak. 1, 17). Versäumnis, Gottes Liebe mit Liebe zu erwidern (Ps. 78, 7. 11. 35; 106, 7. 13. 21. 47).

3. Selbstliebe
Sich von der Liebe zu Gott abwenden und der Liebe zum Selbst als dem höchsten Gut zuwenden. Es gibt ein Maß an Selbstliebe, das gut ist (Mt. 22, 39).

4. Stolz
Exzessive Selbstachtung, angemaßte Selbstgenügsamkeit (Jak. 4, 6; 1. Petr. 5, 5). Stolz leugnet die eigene Begrenztheit als Geschöpf. Stolz beinhaltet die Illusion, sich selbst retten zu können.

5. Entfremdung, oder Abwendung, von Gott
Sünde beinhaltet Trennung und Entfremdung (Jes. 59, 2) - von Gott, von seinem eigenen wahren Wesen, und folglich von der Realität und von anderen Menschen.


C. Gottes Handeln

Joh. 3, 16
Angesichts der biblischen Lehre über die menschliche Natur und über Sünde besteht die einzige Möglichkeit für Menschen, gerettet zu werden, darin, dass Gott in seiner Gnade die Initiative ergreift. Der einzige Weg, Gottes Gnade anzunehmen, ist, die gute Nachricht zu glauben (dass Gott sich in Jesus freiwillig für die Vergebung der Sünden der Menschen gegeben hat), und Gott zu vertrauen - Inhalt der nächsten Stunden

Im Verlauf der Geschichte des Christentums: zahlreiche Theorien von der Versöhnung - die Schrift gibt uns keine "systematische Theorie der Versöhnung".
Oftmals enthüllt die Schrift eine Tatsache oder verkündet eine Wahrheit, aber bietet keine Er-klärung an, warum etwas so ist, wie es ist. Bezüglich der Sühne/ Versöhnung gibt es keine Erklärung, warum Gott den Tod von Jesus als Grundlage für die Sündenvergebung akzeptiert.
Stattdessen wird die Tatsache der Versöhnung enthüllt und werden Illustrationen gegeben: Die Autoren des NT beschreiben die Versöhnung in Bildern, die die Menschen der damaligen Zeit verstehen konnten - diese Bilder beschreiben oder illustrieren eine Realität, aber erklären nicht, wie diese Realität funktioniert. Die Sprache, die benutzt wird, ist die aus den Bereichen Religi-on, Beziehungen, Handel, Gericht und Militär.


a. Erstes Bild: Sühneopfer - Die Sprache des Gottesdienstes

Eph. 5, 2
- Opfer - ein universaler religiöser Begriff in der antiken Welt - viele Opfer beinhalteten das Toten eines Tieres: daher die Übertragung auf Jesus' Tod am Kreuz

Eine ausführliche Diskussion von Jesus' Tod unter Verwendung der Sprache des AT-Opfersystems: Heb. 7, 1 - 10, 10

Im klassischen Griechisch bedeutet ‚hilaskomai' = 'besänftigen, beschwichtigen' - eine erzürnte Person oder Gottheit
Im NT Wortgebrauch hat das Wort stets Sünde als Gegenstand, z.B. Heb. 2, 17

Für das Substantiv ‚hilasmos' = ‚Sühneopfer' vgl. z.B. 1. Joh. 2, 2; 4, 10

Im Gegensatz zu anderen Sühneopfer sind es nicht Menschen sondern Gott, der das Sühneopfer darbringt: 1. Joh. 4, 10; Rom. 3, 25 (hier: ‚hilasterion' = ‚Sühnemittel' (Gnadenstuhl im AT)
Wenn man darüber nachdenkt, ist dies in der Tat der einzige Weg, wie Sühne erfolgen konnte: von Seiten Gottes

AUCH BEI DEN ANDEREN BILDERN VON DER SÜHNE/ VERSÖHNUNG IST GOTT DERJENIGE, DER HANDELT!!

Das göttliche Handeln für die Erlösung des Menschen kehrt das gewöhnliche Verständnis von Religion völlig um - Bild des Berges, den nicht wir zu erklimmen suchen, sondern, von dem Gott seine Hand zu uns herunterreicht


b. Zweites Bild: Versöhnung - die Sprache persönlicher Beziehungen

Ursprung nicht rel. Sprache, sondern diplomatische Terminologie
Das griechische Wort:‚katalasso' = (urspr.) austauschen; von Feindschaft zu Freundschaft wechseln, wieder zum Freund machen
Das Wort wird im NT ausschließlich von Paulus benutzt: Paulus beschreibt die Rettung so, dass die Menschheit in einen Zustand der Freundschaft mit Gott gebracht wird

2. Kor. 5, 18-20:
- Das Subjekt der Handlung, der, der die Versöhnung bewirkt, ist GOTT
- Gott muss nicht mit uns versöhnt werden, sondern wir mit ihm
- Weil unsere Sünden uns von Gott entfremdet haben, musste Gott die Initiative ergreifen, die Beziehung wiederherzustellen
- V. 18: "Aber das alles (die neue Schöpfung) kommt von Gott."
- Christus ist der Mittler

Röm. 5, 10f.:
- Wir haben uns zu Feinden gemacht; Gott hat sich aufgemacht, um uns wieder zu Freunden zu machen; Christus ist der Mittler

a. Tim: 2, 5:
- Wieder: Jesus, der Mittler; cf. auch Röm. 5, 1

Das Thema von Jesus' Dienst war Frieden (Apg. 10, 34-36); dieser Friede war v. a. zwischen Gott und der Menschheit (Röm. 5, 1)

Kol. 1, 20-22:
- die praktischen Konsequenzen der Versöhnung auf das Verhalten
- Feinde, oder die, die sich dafür halten, tun einander schlimme Dinge an; Freunde tun gute Dinge für einander

WIEDER IST ES GOTT, DER DIE INITIATIVE ERGREIFT


c. Drittes Bild: Loskauf/ Lösegeld - die Sprache des Marktplatzes

Das griechische ‚apolytrosis' = ‚Zurückkaufen', wurde benutzt für den Rückkauf eines Sklaven oder Gefangenen; dieses Wort wird benutzt für "den Loskauf/ die Erlösung von Übertretungen"

Der Loskauf ist "in Christus Jesus": Röm. 3, 24; 1. Kor. 1, 30
Der Loskauf ist gleichbedeutend mit der gegenwärtigen Sündenvergebung (Kol. 1, 14) oder der künftigen Erlösung des Körpers (Röm. 8, 23) - beide Male ‚apolytrosis'

Das griechische ‚lutron' = ‚Lösegeld' wurde vor allem benutzt für den Rückkauf solcher, die Gefangene waren, sei es im Krieg oder von Piraten

1. Petr. 1, 18f.:
- Betonung auf dem Preis (hier wird das Verb ‚lytroo' benutzt)

Tit. 2, 14:
- Betonung auf der Befreiung aus der Ungerechtigkeit zu einem Leben guter Taten (ebenfalls ‚lytroo')

WIEDER: GOTT IST ES, DER DEN PREIS BEZAHLT


d. Viertes Bild: Rechtfertigung - die Sprache des Gerichtssaals

Die Durchschnittsperson in der griechischen Welt hatte viel mehr direkte Erfahrungen mit den Gerichten als die von heute - jedermann konnte sich für seine Sache einsetzen, nicht nur professionelle Anwälte
- AT: im nichtreligiösen Kontext: gerechtfertigt sein = vom König angenommen sein
- NT: setzt diesen Gebrauch fort - in der religiösen Sphäre ist Gott der König, der ein Ver-dikt/ einen Urteilsspruch ausgesprochen hat, der die Lage der Person, die vor ihm steht, völlig ändert: "Nicht schuldig" oder besser: "schuldig, aber begnadigt"

Paulus ist derjenige, der den meisten Gebrauch von diesem Bild macht.

Der griechische Begriff ist = ‚für 'nicht schuldig' erklären'

Röm. 4, 25; 5, 18:
- Gerechtmachung; Gerechtsprechung = justification

Phil. 3, 9:
- Rechtfertigung wird durch den Glauben empfangen/ akzeptiert:
- der Glaubende verlässt sich auf das Wirken Gottes in Christus und sagt sich ganz davon los, eine eigene Gerechtigkeit für sich in Anspruch zu nehmen

WIEDER: DIE GERECHTIGKEIT WIRD VON GOTT GESCHENKT


e. Fünftes Bild: Sieg - die Sprache des Kampfes

Kol. 2, 15:
- 'thriambeuo' = das Wort, das benutzt wurde, wenn die römische Truppen nach dem Sieg über den Feind einen Triumphzug abhielten
- "Fürsten und Gewalten" - gemeint sind geistliche Wesen, die den Plänen Gottes im Weg stehen


Zusammenfassung:

- Militärischer Sieg überwindet die bösen Mächte
- Rechtfertigung überwindet das Gesetz und die Schuld
- Loskauf / Erlösung überwindet die Sklaverei unter der Sünde
- Versöhnung überwindet die Feindschaft
- Opfer stillt den Bedarf nach Beschwichtigung

- Ob man in Begriffen des Tempels, der persönlichen Bez., des Marktplatzes, des Gerichtssaales oder des Schlachtfeldes denkt: Gott ist am Wirken

- Jedes der fünf Bilder von der Sühne betont das, was Gott getan hat: er hat das Sühneopfer gebracht, er hat versöhnt, er hat losgekauft, er hat gerechtfertigt, er hat den Sieg gewonnen - in allen Aspekten triumphiert Gott.


Appendix: Die Predigt vom Kreuz

- Am Ende von allen vier Evangelien steht der Missionsauftrag

1. Kor. 15, 1-5:
- Die Predigt der GN von Jesus ist die Predigt dessen, was die Versöhnung vollbringt - Die Predigt des Ev. und die Versöhnung werden in dieser Stelle mit einander verbunden
- Die Predigt des Evangelium von Jesus' Tod, Begräbnis und Auferstehung stellt den Übergang von der göttlichen zur menschlichen Seite der Rettung dar.
- Gott hat nicht nur die Rettung eingerichtet, sondern auch die Verkündigung der Rettung.

Jak. 1, 18:
- Die Predigt ist ein Teil von Gottes Heilsplan. Sie wird von Menschen ausgeführt, aber auf Gottes Auftrag hin. Sie ist der Weg, wie Gott sein Erlösungswerk in Christus und das menschliche Empfangen dieser Erlösung verbindet.

Bernhard Georg, IGC Munich

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