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Glück suchen oder Gott finden von Micha Brück ©

 

 

Vorworte

Samuel Peifer: Die diesseitigen Verheissungen einer noch so biblisch orientierten therapeutischen Seelsorge liessen sich nicht immer einlösen. Gedanken liessen sich nicht nach Belieben zum psychologisch und geistlichen Ideal umformulieren. Auch das Ansprechen und Zulassen tiefer Gefühle brachte nicht immer die ersehnte Lösung. Die Realität psychischen Leidens und seelischer Schwachheit begleitete die Menschen trotz ihrer flehentlichen Gebete und ihrer brennenden Sehnsucht nach Gottes Eingreifen.
Mit prophetischer Klarheit diagnostiziert Crabb das Dilemma der psychologisierten Seelsorge in der heutigen Gemeinde: "Wir haben uns dem Ziel verschrieben, den Schmerz hinter den Problemen zu lindern, anstatt den Schmerz zu nutzen, um uns leidenschaftlich mit Gottes Person und seinen Absichten auseinanderzusetzen.. Es ist wichtiger geworden, sich besser zu fühlen, als Gott zu finden!" Wir stehen im Spannungsfeld zwischen zwei Polen: Entweder nehmen wir unsere Bedürfnisse über alles ernst, oder aber wir verdrängen sie und betrachten es als falsch, sie überhaupt in die Seelsorge einzubringen.
Crabb plädiert für den dritten Weg, einen Weg, der eine leidenschaftliche und sensible Wahrnehmung unserer innersten Kämpfe verbindet mit der sanften und doch nachdrücklichen Betonung, dass es etwas gibt, dass wichtiger ist als unsere Gefühle.
Es sei nicht falsch, dass wir unsere Probleme lösen wollten, so wie es nicht falsch sei, ein gutes Essen oder sexuelle Freuden zu geniessen. Das Problem der heutigen therapeutischen Seelsorge sei es, wenn ein berechtigtes Verlangen zum letzten Ziel werde: wenn es unsere höchste Priorität sei, innere Konflikte zu beseitigen, schmerzliche Umstände zu verändern oder sich einfach gut zu fühlen. Wir seien zu Höherem berufen: nämlich Gott zu erkennen und in Beziehung mit ihm zu leben.

Vorwort L. Crabb: Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich erkannt habe, dass ich Gott näher kennen lernen muss, wenn mein Leben einen Sinn haben soll. Das Leben hat manchmal eine Art, mich aus der Bahn zu werfen oder mir den Überblick zu rauben, dass mir alle Hoffnung schwindet. Das Wichtigste, was ich in solchen dunklen Zeiten lerne, ist vielleicht folgendes: In diesem Leben können wir Leid und Problemen nicht entrinnen. Ich kann versuchen gehorsam zu sein, ich kann ein diszipliniertes geistliches Leben führen und mich darauf berufen, dass ich in Christus eine neue Kreatur bin, aber die Probleme hören deshalb nicht auf.
Die uns allen vertrauten Floskeln - "Du musst einfach Gott vertrauen, bete, geh in die Seelsorge, frag noch mehr nach Gottes Willen " - müssen einem echten Suchen nach Gott selbst Platz machen. Georg MacDonald: "Wenn ich in ihnen nicht den Wunsch wecken kann, Jesus Christus ein wenig besser kennen lernen zu wollen, dann bin ich vergeblich zu ihnen gekommen.

Es ist zur Hauptaufgabe der Gemeinde geworden, dem Menschen zu einem gesunden Selbstwertgefühl zu verhelfen. Wir haben uns der Aufgabe verschrieben, den Schmerz, der die Ursache unserer Probleme zu sein scheint, zu lindern, anstatt ihn zum Anlass zu nehmen, um leidenschaftlicher nach dem Wesen und den Zielen Gottes zu fragen. Sich besser zu fühlen ist ein wichtigeres Ziel geworden, als Gott zu suchen. Und, schlimmer noch, wir meinen, dass Menschen, die Gott suchen, sich auch immer besser fühlen müssten. Wir sind wichtiger als Gott.

Teil 1: Warum es wichtig ist, Gott zu suchen
Kap 1

Erfahrungsbericht: "Ich kenne dich noch nicht so gut, dass ich sagen könnte, du bist alles, was ich brauche. Bitte lass dich finden."

Hebr. 11,6: Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wir zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.

Schon lange habe ich die Hoffnung aufgegeben, ich könnte einen Schlüssel zum christlichen Leben finden, den ich, nachdem ich ihn einmal in der Hand habe, nicht mehr verlieren und der mir auf Wunsch die Türen zu den Wundern des Himmels aufschliessen kann.

Kap 2 Mehr als nur Leben

Um den Pulsschlag der Bibel zu spüren und den Herzschlag Gottes zu hören, müssen wir uns aktiv mit dem Zustand des Lebens "jenseits von Eden" auseinandersetzen. Der Glaube wird erst da lebendig, wo er sich durch Leid und Schmerz hindurch bewährt. Der Schmerz allerdings, der unsere Herzen bereit macht, Gott zu suchen, muss sehr tief gehen. Er ist nicht zu vergleichen mit dem Schmerz eines Nörglers, der unzufrieden vor sich hinbrummt. Er ist auch nicht zu vergleichen mit dem ärgerlichen Schmerz eines in sich selbst verliebten Menschen, der erleben muss, dass sein Egoismus Folgen hat.
Nein, es handelt sich vielmehr um den Schmerz eines Menschen, der nach einer Freude sucht, die er nicht findet, und der fürchtet, dass er dem Leid nicht ausweichen kann, ja, dass er es vielleicht sogar verdient hat. Es ist ein Schmerz der uns dazu bringt, einmal innezuhalten und an etwas anderes zu denken als uns selbst, an etwas weit Wichtigeres und Interessanteres als unsere Sorgen darüber, wer wir sind und wie wir mit dem Leben zurechtkommen können. Es ist ein Schmerz, der uns dazu zwingt, beunruhigende Fragen zu stellen, über das Leben und über Gott.

Hebr 11: 3 Unterbrechungen

V6: was heisst es, zu Gott zu kommen
V13-16: diese Menschen haben sich nach einem besseren Land gesehnt - dem himmlischen
V38-40: Gott hat etwas besseres für uns vorgesehen

1 Mose 5, 18-24: Henoch wandelte mit Gott
Amos 3,3: Können zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander. D.h. wer mit Gott wandeln will, muss in seine Richtung gehen. Gott hat beschlossen, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. (Eph 1,10)

Judas 14+15: Henoch, der siebte Nachkomme Adams hat auch ihnen Strafe angekündigt, als er sagte: "Siehe, der Herr kommt mit seinen vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Menschen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, mit denen sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder gegen ihn geredet haben."

Wir betrachten unsere persönlichen Nöte (Selbsthass, geringes Selbstbewusstsein, finanzielle Sorgen, Einsamkeit) als das zentrale Übel, von dem wir erlöst werden müssen. Und wenn das Streben nach Glück und Wohlergehen sich mit dem christlichen Glauben mischt, dann wird Jesus zu einem göttlichen Masseur, dessen Anweisungen wir erst zu folgen brauchen, wenn wir uns richtig entspannt haben.
Doch das ist nicht das Christentum der Bibel. Christus bietet uns als Trost in unserem Leid nicht sofortige Erleichterung, sondern Hoffnung an und gebietet uns, ihm auch dann mit ganzem Einsatz zu folgen, wenn wir lieber stehen bleiben und uns selbst um unser Wohlergehen kümmern möchten.

Immer dann, wenn uns die Lösung unserer Probleme wichtiger wird als das Streben nach Gott, werden die Kräfte der Ausschweifung freigesetzt.

Wir müssen Gott auch dann noch gut nennen, wenn es uns schlecht geht - weil er gut ist. Und wenn alles wunderbar läuft, dann müssen wir ihn auch gut nennen, aus Gründen, die viel tiefer liegen als unser unmittelbares Wohlergehen. Anderfalls werden wir frech über Gott reden, wenn uns Probleme bedrängen, und werden alles daransetzen, nach Befriedigung unserer Seelen zu suchen. Wir werden uns mehr über unser Unbehagen sorgen als über unsere unheilige Haltung.

Henoch gegen Lamech, den Weg des Kains

Wir müssen uns fragen: Leben wir einfach unser Leben, oder wandeln wir mit Gott? Geht es uns vor allem darum, unsere Seele zu pflegen, unser Leben so zu arrangieren, dass all unsere Bedürfnisse befriedigt werden; unsere Stadt zu bauen?
Oder geht es darum, Gott kennenzulernen; mit ihm zusammenzuarbeiten an einem Plan, der grösser ist als wir selbst; dem Sohn ähnlicher zu werden, den der Vater innig liebt; und auf die Stadt zu warten, die Christus für uns bereitet?

Kap 3 Natürliche Begierden

Wir alle sind wild entschlossen, ein Stück zu suchen, auf dem nicht so viel Unkraut und Dornen wachsen.

Dass wir ein tiefes, bohrendes Verlangen danach verspüren, dass es uns in dieser Welt wohl ergehen möge, ist so natürlich wie das Atmen. Und es ist auch nichts Verkehrtes dabei - es sei denn, wir haben kein tieferes Verlangen!
Bürger dieser Welt haben im wesentlichen zwei Zielvorstellungen:
1.) Sie suchen nach Möglichkeiten, um ihr gegenwärtiges Leben glücklicher zu gestalten.
2.) Sie versuchen die Menschen und Dinge ihrer Umgebung dahingehend zu beeinflussen, dass sie bei der Verfolgung von Ziel 1 mitspielen.

Der Christ hingegen ist Bürger einer anderen Welt, in der jetzigen leben wir als Fremde, als Aussenseiter, als Pilger. Was uns kennzeichnet, ist unser Verlangen nach Gott, die Bereitschaft, auch Schweres zu ertragen, wenn es der Dienst für Gott jetzt erfordert, weil wir ihn lieben und seiner Verheissung vertrauen.

Was können wir tun, um einen Drang nach Christus zu wecken, der mächtiger ist als unser natürlicher Selbsterhaltungstrieb? Was müssen wir tun, um ein Verlangen nach Gott zu entwickeln, das zu einer wirklichen Begegnung zu ihm führt, einer Begegnung, die uns dazu befreien wird, uns anderen zuzuwenden, nicht um unsere Güte zu beweisen oder ihre Zuneigung zu erringen, sondern um sie zu segnen?

Diese Frage möchte ich mich nun zuwenden. Und ich tue das, indem ich zunächst einmal frage, wie natürliche Begierden sich entwickeln, und diesen Prozess dann im folgenden Kapitel der Entwicklung übernatürlicher Leidenschaften gegenüberstelle.

Die Entwicklung der natürlichen Begierden
Das Ich mit all seinen Trieben, Sehnsüchten und Träumen von seinem eigenen Wohlbefinden muss sich mit einer Welt voller Erwartungen, Regeln und Zwängen arrangieren, die seinen eigenen Wünschen entgegengesetzt scheinen. Wie das Kind die Spannung zwischen den Wünschen seines seines Ichs und den Anforderungen der Welt löst, hängt zum Teil davon ab, wie die Eltern ihrer Rolle als unmittelbares Gegenüber für das Kind gerecht werden.
In der Regel vermitteln sie eine von zwei Grundhaltungen:

1.) Wir wollen, dass du glücklich bist.
Oder:
2.) Wir wollen, dass du ein guter Mensch wirst.


Ergebnis dieser verschiedenen Ansätze, uns mit unserer Welt zu arrangieren, ist es, dass die tiefsten Leidenschaften, die sich in uns entwickeln, entweder verwöhnender oder angepasster Natur sind. Entweder wir suchen uns um uns selbst zu kümmern und halten unseren Eigennutz für durchaus gerechtfertigt, oder wir setzen alles daran, alle Menschen in unserer Umgebung glücklich zu machen, damit sie keine Ursache finden, uns zu kritisieren, zu missbrauchen oder gar im Stich zu lassen. Und diese Haltung formt unser Gottesbild.

< Grafik S.5>

Kap 4 Übernatürliche Leidenschaften

Wir müssen den verkrusteten Boden unseres Herzens umpflügen, damit er den Samen des Geistes aufnehmen kann. Doch Gottes Geist kann uns nur in dem Masse mehr von Christus offenbaren, wie wir bereit sind, uns der erschreckenden Wahrheit über uns selbst und unser Leben zu stellen, einer Wahrheit, die uns entweder vernichten oder zu Gott treiben muss.

Der Geist wird unsere verschwommene Vorstellung von Gott klären, wenn wir ein Bewusstsein für uns selbst entwickeln, das uns zunächst innehalten lässt und uns dann in einen Zustand geistlicher Wachsamkeit versetzt, in dem wir begierig darauf warten, Gottes Stimme zu hören.

Bewusstsein: Wir erkennen in zunehmendem Masse, was sich wirklich in uns selbst wie auch in unseren Beziehungen abspielt, und sind bereit, uns diesen Erkenntnissen zu stellen, ohne uns etwas vorzumachen.

1. Unser tiefstes Verlangen ist nicht zu stillen
C.S. Lewis: "Wenn wir nun in uns selbst ein Bedürfnis entdecken, das durch nichts n der Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus doch schliessen, dass wir für eine andere Welt erschaffen wurden."

Ich möchte etwas, was mir dieses Leben nicht bieten kann. Ich möchte mich unbeschwert und ohne Ende freuen können.

2. Das Leben anderer Menschen zeigt uns, wie wichtig es ist, Gott besser kennen zu lernen

3. Wir sind hoffnungslos egoistisch
Wir sind und unser eigenes Wohlergehen kommen an erster Stelle. Und noch schlimmer: Wir erkennen unsere Selbstsucht nicht einmal. Unser grösstes Problem ist Sünde, nicht Leid. (Leid ist eine Folge von Sünde)

4. Der Heilige Geist ist eine Person, die in unserem Leben wirken will

5. Leiden ist unvermeidlich
Stolze Menschen verlangen für alles, was misslingt, eine Erklärung. So erscheint das Leben kontrollierbar. Aber zukünftige Hoffnung ist wertvoller als gegenwärtige Linderung.

Innehalten: Wir kommen innerlich zur Ruhe, wir verlieren alle Kraft, weil wir erkennen, dass keine noch so grosse Anstrengung von unserer Seite uns helfen kann, ins Paradies zurückzufinden. So werden wir offen für einen Richtungswechsel und frei, uns ganz Gott zuzuwenden, doch nun nicht mehr, um Lösungen zu finden, sondern um Gemeinschaft mit ihm zu haben. Seid still und erkennet, dass ich Gott bin. (Ps 46,11)

Wachsamkeit: Gespannt warten wir darauf, dass Gott selbst sich uns offenbart. Reicht es, wenn ich nur ihn habe? Der hektische Druck, alles selbst schaffen zu müssen, weicht, und wir fallen nieder, zur Ruhe gebracht angesichts der Wahrheit über unsere Seele, das Leben und die Ewigkeit: Wir wollen nur noch Gott und nichts sonst.


Teil II Hindernisse auf dem Weg zu Gott
Kap 5 Was nur stimmt nicht?

Die Vorstellung, das schreckliche Geschehen etwas Gutes bewirken könnte, liess es irgendwie erträglicher erscheinen. Es bereitet Mühe, in einer launischen Welt zu leben.
Wir wollen Gott eher benutzen, um zu bekommen, was ich mir wünschte, als mich an ihm zu erfreuen. Ich wollte mir etwas von seiner Macht nutzbar machen, statt mich ihr zu unterwerfen.
Meine Versuche, meine Motive noch gründlicher zu durchleuchten oder meine Vergangenheit zu durchleuchten oder meine Vergangenheit zu durchwühlen, um Zusammenhänge zwischen traumatischen Kindheitserlebnissen und aktuellen Kämpfen hervorzuzerren, bringen eher neue Enttäuschung als Hoffnung hervor. Vielleicht lerne ich dadurch mehr über mich selbst. Aber ich möchte Gott kennenlernen.

Das Böse in uns
Je mehr ich mir vornehme, Gott inmitten aller Kämpfe meines Lebens zu suchen, desto deutlicher wird mir bewusst, dass mit mir selbst etwas nicht in Ordnung ist, dass etwas Böses in mir sitzt, das überwunden werden muss, das aber so stark ist, dass es immer wieder mich überwindet. Dieses scheint ein sehr gut organisiertes, unverwüstliches Eigenleben zu führen. Ich möchte es darum als Struktur bezeichnen, eine Struktur, die in mir herrscht, die mein Denken über Gott, über mich selbst und über andere pervertiert und sich der Wahrheit widersetzt. Wir wollen uns diese gefallene Struktur wie ein Gebäude vorstellen, über dessen Fundament sich fünf "Etagen" oder Ebenen erheben, die jeweils aufeinander aufbauen.
Alle nichtmedizinischen Probleme, mit denen Patienten in die Praxis kommen, Lebensprobleme, die letztlich jeder Mensch in unterschiedlichem Ausmass durchmacht, entspringen dieser fest verwurzelten Struktur.
Unsere Neigung zur Sünde fusst auf dem Verdacht, dass Gott nicht so gut ist. Zweifel an Gottes Güte sind das Fundament unserer gefallenen Struktur. Wenn wir auch an Gottes Allmacht glauben, so sind wir doch nicht überzeugt, dass er wirklich gut ist; denn wenn er unser Leiden doch ändern könnte, warum tut er es nicht? Gottes Schweigen in schweren Zeiten bestärkt unsere grundsätzlichen Zweifel an seiner Güte.

< Grafik S7>

Kap 6 Wenn Gott sich nicht finden lässt

Nichts nehmen wir so gerne als selbstverständlich hin wie einen unangefochtenen Glauben. Nach schwierigen Ereignissen fragen wir nach Antworten - manchmal mehr als nach Gott.

Das Leben ist zum Rasendwerden; ständig widersetzt es sich aufs Hartnäckigste all unseren Bemühungen, es in ein geradliniges Diagramm zu zwingen, aus dem sich Ursache und Wirkung genau ablesen lassen. Es gibt Tragödien aus denen nichts Gutes erwächst. Soweit wir es beurteilen können, sind sie sinnlos, zufällig und ohne irgendwelchen erklärbaren Nutzen.

Wenn wir uns dem unerforschlichen Wesen Gottes gegenübersehen, wenn wir auch nicht das kleinste Anzeichen seiner Gegenwart und Nähe verspüren, dann entscheiden wir uns meist für eine der zwei folgenden Möglichkeiten:

1. Traumwelten
Wenn Gott sich verbirgt, dann können wir uns in eine Traumwelt zurückziehen. Leugne alle Kämpfe und Schmerzen. Sag dir immer wieder, dass ja alles in Ordnung ist, dass du Jesus liebhast, dass dein Glaube an Christus dich mit frischen Strömen versorgt. Und vor allem, meide die Gesellschaft hungriger, fragender Menschen, die sich auf ihrer Suche nach mehr nicht mit Standardantworten zufrieden geben, wie die Pest.
Einfach tun was Gott sagt, dann segnet er mich auch. Doch wenn der Gehorsam ein Mittel zum Zweck wird, nämlich Problemen auszuweichen, dann leben wir in einer Traumwelt.

2. Psychozug und Kuschelchristentum
Erkenne, dass die Religion deiner Gesundheit schadet. Lerne es, jede Form von Selbstverleugnung und Verdrängung mehr zu hassen als irgend etwas andres. Verlange nach Antworten. Versuche alles zu hinterfragen. Setz dich mit all deinen inneren Verletzungen auseinander, und entwickle eine Theologie, die Schuldgefühle und Selbsthass als die Probleme entlarvt, die Gott mehr als alles andere bedrücken. Lass dich nicht von dem Verdacht aus der Ruhe bringen, manche Probleme könnten in diesem Leben nicht gelöst werden und sollten es vielleicht auch gar nicht. Lass dich nicht auf später vertrösten. Du willst jetzt Befriedigung.
Menschen, denen Befreiung von Schmerzen wichtiger ist als lernbereite Liebe, springen gern auf den Seelsorgezug auf, der ihnen eher eine Lösung ihrer Probleme als einen Weg zu Gott verheisst.

Der dritte Weg
Keiner der beiden Wege geht jedoch darauf ein, dass wir gefallene Geschöpfe sind. Der erste Ansatz scheint zu sagen, dass wir uns, auch wenn wir gefallen sind, durch einen reinen Willensentscheid wieder aufrappeln können. Der zweite lässt unsere Hilflosigkeit als moralisch entschuldbar erscheinen und hält Gottes Hilfe für wichtiger als seine Gnade.
Der dritte Weg setzt sich mit einer Wirklichkeit auseinander, welche die andern beiden entweder verniedlichen oder verdrängen. Er verlangt, dass wir uns der gefallenen Struktur in all ihrer hässlichen, hartnäckigen, bösen Macht stellen und bereit sind, sie einzureissen, auch wenn der Prozess schmerzhaft sein wird.

Kap 7 Die Grundlage der gefallenen Struktur: Zweifel an Gott

Jeder Mensch weist einen ganz grundlegenden Makel auf, für den die Bibel verschiedene Bezeichnungen kennt, darunter "Leib der Sünde" (Röm 6,6), "Begierden des Fleisches" (Gal 5,16) und "Gesetz der Sünde" (Röm 7,23).

Die Versuchung
"Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?"

Unterschwellig hiess da: "Das kann ich ja kaum glauben! Hat Gott das wirklich gesagt? Das ist ja, wie wenn eine Mutter ihrem Kind verbietet, mit dem schönsten Spielzeug zu spielen."

"Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet."

1. Gott hatte zunächst Adam und Eva gesagt, sie dürften von "allen Bäumen im Garten" essen, ausser von einem. Eva sagte: "Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten." Sie besass nicht die Freiheit, sich an dem zu freuen, was Gott ihr gegeben hatte.
2. In der Mitte des Gartens stand auch der Baum des Lebens. Eva sah nur den verbotenen Baum. Sie verlor den Blick dafür, dass Gott für seine Kinder das Leben will, keine Verbote.
3. Ausserdem fügte sie Gottes Bestimmungen eine weitere hinzu, indem sie entgegnete, Gott verlange von ihr, den Baum nicht einmal anzurühren. Wenn die Betonung mehr auf die Regeln gelegt wird als auf die Freiheit, dann beginnen die Gebote sich zu vermehren. Sie werden immer zahlreicher, bis wir ein so komplexes Regelwerk entwickelt haben, dass wir uns gar nicht mehr über die Beziehung zum eigentlichen Gesetzgeber freuen können. Der Buchstabe des Gesetzes tötet den Geist (2.Kor 3,6)

"Ihr werdet keinesfalls des Todes sterben, sondern Gott weiss: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist."

"Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und ass."

Gott, so meinte sie, wollte ihr etwas vorenthalten. Da war etwas Gutes, das er ihr nicht gönnte. Sie konnte zwar nicht leugnen, dass Gott ihr vieles Gute gegeben hatte, aber die Schlange redete ihr ein, Gott würde ihr noch etwas Besseres vorenthalten. Also versuchte sie es sich selbst zu beschaffen. Ihr Akt des Ungehorsams entsprang ihrem Zweifel an Gottes Güte.

Als Adam sah, dass seine Frau Gottes Gebot brach, da konnte er sich nicht vorstellen, dass Gottes Güte, so, wie er sie bis zu jenem Augenblick kannte, ausreichen würde, um das Durcheinander, das Eva angerichtet hatte, zu einem guten Ende zu bringen. Er hatte noch keine Erfahrung mit Gottes Vergebungsbereitschaft machen können. Bis dahin war noch keine Vergebung nötig gewesen. Doch statt darauf zu vertrauen, dass Gott seine grosse Güte offenbaren würde, versuchte Adam das Problem dadurch zu lösen, dass er sich der Sünde seiner Frau anschloss.
Eva bezweifelte, dass Gott gut war. Adam zweifelte daran, dass Gott gut genug war. Er hielt Gott nicht für gut genug, um die Sünde mit seiner Gnade zu überwinden.

Geborene Zweifler
Vom Augenblick unserer Geburt an sind wir Zweifler. Der erste Laut, den wir von uns geben, ist ein Schreckenslaut. Was als Zweifel begann, geht schnell in die Angst über, sich in einer unzuverlässigen Welt in totaler Abhängigkeit zu befinden.
Das erste Element unserer gefallenen Struktur sind unsere Zweifel an Gottes Güte. Sie rufen in uns die Angst hervor, wir seinen alleingelassen in einer unzuverlässigen Welt. Und dieses Entsetzen schliesslich führt zu einer Wut auf Gott, der so wenig tut, um uns vor dem Leid zu bewahren. Wenn wir uns dann hilfesuchend an Gott wenden, wird es nur noch schlimmer, denn er sagt uns, es sei nicht recht, ihn nicht schon zu lieben und unserem Nächsten Gutes zu tun. Für viele ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt (Röm 7,5).

Kräftemessen mit Gott
Doch weder meine Angst noch meine Wut halten mich davon ab, Fragen zu stellen. Allzu oft jedoch entspringt mein Fragen weniger der Wissbegier eines Menschen, der ernsthaft nach Aufklärung sucht, als vielmehr dem beleidigten Anklagen eines Menschen, der sich verraten wähnt. So lächerlich es auch klingen mag, mir scheint, ich möchte mit Gott streiten. Ein perverser Drang beherrscht mich, mit Gott zu streiten.
Ist dies womöglich dieselbe Energie, die auch Satan treibt?
Offenbart mein Wunsch, Gott herauszufordern, noch immer gewisse Züge dieses Vaters alles Bösen, obwohl ich doch nicht mehr zu seiner Familie gehöre?

Gott soll sich beweisen
Statt über meine Unverschämtheit zu erschrecken, fühle ich mich manchmal noch wohl dabei und bin fast ein bisschen gespannt, wie Gott sich gegenüber meinen wohlbegründeten Vorwürfen verteidigt. Siehe auch Hiob 23,3-5.
Es ist die gefallene Struktur im Herzen eines jeden Menschen, die Freude daran findet, Gott herauszufordern , weil die eigene Persönlichkeit dadurch scheinbar an Macht gewinnt.

Wenn wir an Gottes Güte zweifeln
Was geschieht, wenn wir an Gottes Güte zweifeln, wenn die Anfechtung so überhand nehmen, dass blosses Vertrauen völlig unsinnig erscheint? Wenn Gott es schon nicht schafft, sich ausreichend um unser Leben zu kümmern, dann müssen wir bestimmte Dinge eben selbst in die Hand nehmen. Sünde könnte man darum als unsere Bemühungen definieren, die vermeintlichen Grenzen von Gottes Güte zu überwinden.
Solange die Neigung, Gott nur aufgrund dessen, was wir sehen können, zu beurteilen, nicht aufgedeckt und geschwächt wird, solange beschäftigen wir uns weiterhin damit, mit ganzem Herzen und ganzer Seele uns selbst zu suchen. Doch so können wir Gott nicht finden.
Die geradezu zwanghafte Beschäftigung mit dem eigenen Ich findet ihren wohl deutlichsten Niederschlag in der Entstehung der Selbsthilfegruppen. Leben wir womöglich in jenen Tagen in denen schlimme Zeiten kommen werden, in denen Menschen viel von sich halten (2.Tim 3,1-2)?
Haben wir womöglich den Höhepunkt der Geschichte erreicht, wo das grösste aller Übel - die uneingeschränkte Selbstliebe - als höchste aller Tugenden gilt?

Kap 8 Warum Gott sich nicht finden lässt

Nur zu oft erscheint es uns, als liesse Gott uns in den Problemen allein. Warum? Warum distanziert er sich gerade dann von uns, wenn wir uns danach sehnen, seine Nähe zu spüren? Warum schweigt, wenn wir seine Stimme hören wollen? Warum finden wir ihn oft nicht, obwohl wir ihn suchen?
Die Antwort ist in unserer gefallenen Struktur zu suchen. Wenn wir uns Gott mit dieser Grundstruktur nähern, dann wird er uns nicht anhören.
In ihrer hässlichsten Ausprägung besteht sie in einer Haltung, die etwa folgendes zu Gott sagt: "Beweise dich doch! Ich habe meine Zweifel an deiner Güte. Sieh dir doch an, was in meinem Leben und im Leben von Menschen, die ich gern habe, passiert. Weißt du denn, wie es ist, mit der ständigen Angst zu leben, dass irgend etwas Furchtbares geschehen könnte? Wenn du mir schon nicht garantieren willst, dass nichts Schlimmes passiert, dann musst du mich schon selbst davon überzeugen, dass du mein Vertrauen verdienst.
Schon allein das Bewusstsein, dass es gefährlich ist, so mit Gott zu reden, lässt uns aufleben. Selbstgerechter Trotz vermittelt uns ein Gefühl der Stärke. Doch wenn wir uns Gott so nähern, dann treibt uns nicht ein demütiger Geist, der sich an Gott freuen will, sondern ein stolzer Geist, der nur sich selbst sieht. Und wenn wir aus solch selbstgerechten, selbstsüchtigen Zweifeln heraus zu Gott kommen, dann hört er uns nicht. Dann lässt er sich nicht finden.

Wenn Dinge nicht so laufen, wie wir es gern hätten, dann beschweren wir uns, dass wir Gott in den wirklich wichtigen Fragen nicht vertrauen können. Und unser Verhältnis zu ihm kühlt sich ab. Die gefallene Persönlichkeitsstruktur in jedem Menschen basiert auf einer ganz zentralen Lüge: In den wirklich wichtigen Fragen des Lebens können wir Gott nicht vertrauen. Wir danken ihm vielleicht, wenn wir trotz des vielen Verkehrs so schnell einen Parkplatz finden, aber unsere Seele wollen wir ihm nicht anvertrauen.

In dem Mass, wie wir dieser Lüge Glauben schenken, ergreifen wir selbst die Initiativ, um uns den Segen, nach dem uns verlangt, auch zu sichern. Wir nehmen für uns das Recht in Anspruch, seine Gleichgültigkeit dadurch wettzumachen, dass wir uns selbst darum kümmern, all das zu bewahren, was wir vermeintlich bedroht sehen. Wenn wir die Initiative ergreifen, dann hat das zur Folge, dass wir Druck ausüben, um etwas zu erreichen ("Ich muss meine Tochter dazu bringen, einzusehen, dass sie unrecht hat."). Wir haben Angst, wir könnten versagen ("Ich weiss einfach nicht, wie ich es ihr klarmachen kann."), und wir empfinden Bitterkeit über die mangelnde Unterstützung unserer Bemühungen ("Ich verstehe nicht, warum Gott nicht mehr tut, um sie in die junge Frau umzuwandeln, die sie eigentlich sein sollte. Und die anderen tun auch nicht allzu viel.").
Dass Menschen dieser Lüge glauben, ist übrigens nichts Neues.

Beispiele aus biblischer Zeit
Jes 58,2-4: Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen … Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst nichts wissen? Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

Hes 8,18: Wenn sie auch mit lauter Stimme mir in die Ohren schreien, will ich sie doch nicht hören.

Hos 7,14: Am Beispiel der Israeliten wird klar, dass Gott mich nicht hören wird, wenn ich stolz an ihn herantrete und verlange, dass er sich mir beweist, wenn ich meine, ich könne mit Recht erwarten, dass er die Dinge so lenkt, wie ich es wünsche. Wenn ich Gott nur deshalb achte, weil er meinen Zielen nützlich sein könnte, dann wird er sich von mir nicht finden lassen.
Wenn wir Gott so suchen, wie er gesucht werden möchte, wenn wir hn so kennenlernen wollen, dass wir zu einem frohen, sinnvollen und selbstbeherrschten Leben befreit werden, dann darf es uns nicht in erster Linie darum gehen, unsere Probleme zu lösen. Statt dessen müssen wir uns bemühen, die gefallene Struktur einzureissen und das Fundament des Zweifels durch ein felsenfestes Vertrauen auf Gott zu ersetzen.

Kap 9 Ein gesundes Fundament: Vertrauen auf Gott

Radikale Revolution
Damit wir ein umfassendes Vertrauen auf Gottes Güte wiedergewinnen können, ist eine regelrechte Revolution nötig, und sie wird uns zunächst einmal eine Dimension des Schmerzes eröffnen, die uns an der Notwendigkeit des Eingriffes zweifeln lässt. Vier Bedingungen müssen erfüllt werden, um die gefallene Struktur der menschlichen Persönlichkeit einzureissen und durch eine göttliche Struktur zu ersetzen:
1. Wir müssen bereit sein, seelische und körperliche Schmerzen zu ertragen, auch wenn wir ihr Ende nicht absehen können und keine Möglichkeit haben, uns Erleichterung zu verschaffen. Wir müssen bereit sein zu ertragen, was uns die der Verlust des eignen Lebens erscheinen mag.
2. Wir müssen uns diesem Schmerz bis zu einem Grand aussetzen, wo all die Dinge, die uns früher Erleichterung und Trost zu geben vermochten, keine Wirkung mehr zeigen, ja, wo sie uns nicht einmal mehr zu locken vermögen. Die Freude an der Sünde, mit der wir uns früher kurzfristig Linderung schaffen konnten, muss ihre Macht verlieren.
3. Wir müssen das grundlegend böse, gefährliche Wesen unserer gefallenen Struktur erkennen und Gott um sein Erbarmen und seine Gnade bitten.
4. wir müssen Gottes Geist darum bitten, uns die Schönheit Christi zu offenbaren, bis die Freude am Herrn und der Wunsch, anderen Menschen etwas von dieser Freude zu vermitteln, zum festen Anker in allen Stürmen unseres Lebens wird.

Oberflächenkosmetik
Wir dürfen nie auf eine Veränderung der Dinge hinarbeiten, ohne gleichzeitig die gegenwärtigen Zustände radikal in Frage zu stellen. Während wir versuchen, Gottes Ziele in dieser Welt zu fördern, müssen wir gleichzeitig bereit sein, jede Spur des gefallenen Wesens in uns zu zerstören.
Menschen, deren oberstes Ziel es ist, sich selbst zu finden, entweder durch Disziplin und Gehorsam oder durch die Befreiung von Zwängen, entdecken in sich selbst meist kein tieferes Problem als moralische Nachlässigkeit oder verletzte Persönlichkeitsstrukturen. Deshalb nehmen sie sich lediglich vor, es entweder besser zu machen oder sich selbst besser zu mögen. Sie suchen nach Heilung, ohne sich je mit dem Grundübel auseinanderzusetzen.

Hes 13,10-14:

Gott ist gut - egal, was geschieht
Wir dürfen wissen, dass wir Gott finden werden, wenn wir glauben, dass er gut ist, ganz egal, was auch geschieht.

Wir wissen, dass wir Gott gefunden haben, wenn nichts unser Vertrauen auf seine unwandelbare Güte erschüttern kann:
" Weder Flugzeugabstürze, bei denen geliebte Menschen ums Leben kommen;
" Noch positive Befunde, die all unsere Träume zunichte machen;
" Noch unerwartete Arbeitslosigkeit, die jeden Gedanken an morgen zum Alptraum werden lässt
" Noch untreue Ehepartner, die uns das Herz brechen
" Noch aufsässige Kinder, die uns unvorstellbare Schmerzen bereiten als auch Zweifel an uns selbst hervorrufen
" Noch persönliches Versagen, das die letzte Hoffnung zunichte macht
" Noch schwierige Entscheidungen, die in jedem Falle gravierende Nachteile bringen werden
" Noch ein überwältigendes Gefühl der Einsamkeit, das unsere Seele umgibt wie ein dichter Nebel
" Noch Gefühle der Sinnlosigkeit.

Ein Glaube an die Güte Gottes und die Anbetung, die daraus erwächst, hängen vom offenbarenden Wirken des Heiligen Geistes ab. Wenn er uns in die Gegenwart des absolut Guten führt, wenn das dunkelste Leid von einem Strahl seiner unsichtbaren Herrlichkeit erhellt wird, dann entsteht Glaube.

Als Christen haben wir Gott gefunden, oder besser, Gott hat uns gefunden. Doch in einem tieferen Sinn müssen wir immer noch sagen: Ich suche noch immer (Phil 3,12-14).

Nur einer wurde vom Virus des Zweifelns an Gottes Güte nicht befallen. Und dieser Eine, der ein Leben vollkommenen Vertrauens zum Vater lebte, hat auch uns Grund genug gegeben, unsere Zweifel durch den Glauben zu ersetzen. Wir finden Gott durch Christus.
Gott finden bedeutet, durch Christus ein unerschütterliches Vertrauen auf Gottes absolute Güte und vollkommene Liebe zu entwickeln, das nicht davon abhängt, was uns in diesem Leben widerfährt.

Wir sind zu Höherem berufen als nur dazu, uns an allem Guten zu erfreuen und mit dem Schlechten irgendwie zurechtzukommen. Wir sollen in all unseren Beziehungen, bei all unserem Tun, in allen Freuden und in allem Leiden ein tiefes Vertrauen zu Gott widerspiegeln.

Wenn Gott sich offenbart
In Maleachis Tagen gab es eine Gruppe von Israeliten, die demütig zu Gott kamen und ihn um Vergebung baten. Gott hörte sie. Statt seine Ohren zu verschliessen, "merkt und hört" er es (Mal 3,16). Gott möchte sich finden lassen. Er freut sich, wenn wir ihn und seine Nähe suchen. Doch wir müssen zu seinen Bedingungen zu ihm kommen. Und dazu gehört, dass wir uns von allen natürlichen Neigungen, seine Güte nach unseren Massstäben einzuschätzen, abwenden. Er duldet es nicht, dass andere über ihn zu Gericht sitzen.
Ich möchte mehr von Gottes Güte erleben. Aber das wird mir nicht gelingen, solange ich meine, er sei verpflichtet, meine Probleme zu lösen.

Ein göttliches Fundament
Wir wollen uns einmal einen Moment lang vorstellen, wie es wäre, wenn wir uns Gott auf einer anderen Basis zuwenden, wenn wir als zufriedene, frohe, mitteilsame Menschen zu ihm kommen könnten. Wir wollen einmal versuchen, eine Ahnung davon zu bekommen, wie es wäre, wenn wir unser Leben auf göttlichem, statt auf von der Sünde pervertiertem Fundament aufbauen würden - "Ich glaube Gott" statt "Ich zweifle an Gott". Wie das geschehen könnte, soll uns im Moment nicht interessieren. Aber wie gerne wären wir schon dort!
-Kein Zweifel mehr, sondern Vertrauen auf seine Güte
-Keine Angst mehr, sondern die ruhige Freude über sein Wort: "Ich werde dich nicht verlassen. Selbst durch das Tel des Todes kannst du mit mir gehen. Sei guten Mutes. In der Welt hast du Angst, aber ich habe sie überwunden. Deine Geschichte hat einen unsagbar schönen Ausgang. Vertraue mir."
-Keine Wut mehr, sondern Anbetung.

Wie müsste es sein, wenn wir die folgenden Worte des Propheten Habakuk nachsprechen und auch tatsächlich meinen würden!

Da wird der Feigenbaum nicht grünen,
und ich bin allein;
und es wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken,
und ich kann in meiner Welt keine Freude finden.
Der Ertrag des Ölbaums bleibt aus,
und ich habe nichts, um meine schmerzenden Wunden zu behandeln,
und die Äcker bringen keine Nahrung;
und ich habe keine Arbeit oder hasse meine jetzige Arbeitsstelle;
Schafe werden aus den Hürden gerissen,
und niemand wärmt mich in der Nacht,
und in den Ställen werden keine Rinder sein,
und ich habe nichts, was mir Sicherheit verschaffen könnte.

Aber ich will mich freuen des Herrn
Und fröhlich sein in Gott, meinem Heil.
Denn der Herr ist meine Kraft,
er wird meine Füsse machen wie Hirschfüsse
und wird mich über die Höhen führen. Hab 3,17-19

Kap 10 Die erste Ebene: Ich brauche dich

Wenn unsere Zweifel an Gott in uns die Angst vor dem Leben ("Was wird morgen sein? Wird es mir gelingen?") und Wut auf Gott ("Warum tut er nicht, was ich mir wünsche?") wachrufen, dann wenden wir uns unseren Mitmenschen zu, jedoch nicht, um sie zu lieben, sondern damit sie uns etwas geben, was unser Leben angenehm oder zumindest erträglicher macht. Irgend etwas muss ja getan werden, und auf Gott ist ja kein Verlass.
Was wir dankbar als Gnade annehmen sollten, das fordern wir als Rechte ein. Statt zu überlegen, wie wir uns trotz unserer Not einbringen können, konzentrieren wir uns auf die Nöte selbst. Unser Wohlergehen steht an erster Stelle. "Nach allem, was ich durchgemacht habe", sagen wir, "ist es nun an der Zeit, dass ich an die Reihe komme. Ich brauche dich!"
So fallen wir in ein Verhaltensmuster, das man heute als Kodependez bzw. Ko-Abhängigkeit bezeichnet: einen andern so zu manipulieren, dass er mir ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Doch das ist nicht nur ein neurotisches Verhaltensmuster, das ist geradezu bösartig.
Um es zu heilen, ist weit mehr gefragt, als die eignen Bedürfnisse anzuerkennen und zuzugeben, dass es mir nie gelingen wird, sie zu befriedigen. Ich muss auch bereuen, dass ich Gott so wenig vertraue und darum von anderen fordere, was nur er mir geben kann.

Viele geben zu, dass vermehrte Anstrengung allein nicht ausreicht, diese Muster zu durchbrechen, entscheiden sich aber dann für einen verhängnisvollen Weg. Sie meinen, wenn sie erst lernen könnten, sich selbst zu lieben, dann würden sie später auch fähig, jemand anderen zu lieben. Ein ganz praktisches Problem bei diesem Plan ist jedoch unser schier bodenloses Bedürfnis, uns geliebt zu wissen. Haben wir erst einmal damit angefangen, uns selbst zu lieben, dann bekommen wir nie mehr die Kurve zur Nächstenliebe.

Die göttliche Struktur: Ich liebe dich
Joh. 13,34-35; Joh. 14,21-23. Ich bin nun aufgefordert, den Zweifel und seine Begleiter Angst und Wut durch ein Vertrauen auf Gottes Wesen zu ersetzen, das mich bereit, loszulassen und Zuversicht zu haben (siehe Jes. 30,15). Statt zu sagen: "Ich brauche dich", heisst es jetzt: "Ich habe dir etwas zu geben. Ich möchte, dass du in derselben Kraft Ruhe finden kannst, die mich allmählich dazu befreit, zuversichtlich und hoffnungsvoll zu bleiben, unabhängig davon, wie jämmerlich ich mich gerade fühle oder welchen Problemen ich begegne.
Vertrauen auf Gott und Zuversicht auf seine Güte müssen sich allerdings nicht immer in frohen Glücksgefühlen äussern (siehe Jesus am Kreuz).

Kap 11 Die zweite Ebene: Ich hasse dich

Blockierte Ziele rufen Wut hervor. Therapeuten, die nach verdrängtem Groll suchen, werden in der Regel reichlich belohnt. Er steckt in jedem von uns. Wir sind ein zorniger Haufen.

Jak 4,1-2: Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt's nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten? Ihr seid begierig und erlangt's nicht.

Denken mal darüber nach, ob sie mit dem Menschen, auf den sie so wütend sind, nicht darüber reden sollten, wie verletzt sie sich fühlen.

Wenn unsere Zweifel an Gott uns jedoch dazu treiben, voller Zorn bei anderen um Hilfe zu schreien, dann ist der Hass, den wir auf alle empfinden, die uns enttäuschen, immer pervertiert. Ja, schlimmer noch, er ist auch sehr hartnäckig. Wir werden ihn nicht los, solange wir unser Denken über Gott nicht ändern. Wenn wir unser Leben auf einer gefallenen Persönlichkeitsstruktur aufbauen, bekommen wir grosse Probleme mit unserer Wut. Hinter nahezu allen psychischen Störungen - ob Essstörungen, sexuelle Perversionen oder auch Depressionen - schäumt ein Brunnen brodelnder Wut. Und dieser Brunnen wird davon genährt, dass wir Forderungen an andere Stelle, die wiederum aus dem noch tieferen und übleren Quell unserer Zweifel (und deshalb unseres Hasses) gegenüber Gott quellen.

Die göttliche Struktur: Ich nehme dich an
Welche Kräfte würden freigesetzt, wenn jemand, der uns einmal enttäuscht hat, in unseren Augen einen freundlichen Schimmer entdecken könnte, der heller strahlt als Wut oder Schmerz? Die Kraft zu lieben anstatt zu hassen, spiegelt das Wesen Christi wider, eine heilige Leidenschaft, welche die Güte des Vaters als verlockend und unwiderstehlich offenbart. Ein Wechsel von "Ich hasse dich" zu "Mir liegt an dir" könnte zerbrochene Familien kitten und Freude bringen, wo früher Kummer war.

Kap 12 Die dritte Ebene: Ich hasse mich

Niemand kommt von sich aus zu Gott. Selbst Christen, die bereits Jesus gefunden haben und ihn mit ihrem Herzen suchen, finden immer wieder Wege, um nicht bedingungslos vertrauen zu müssen. Es muss doch eine Möglichkeit geben, das Leben in den Griff zu bekommen, wenn wir nur alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen. Wir leugnen unsere unerfüllten Sehnsüchte; wir stürzen uns in alle möglichen Vergnügen; wir entwickeln unsere natürlichen Fähigkeiten, um Zustimmung, Geld oder Ruhm zu erlangen. Alle diesen Strategien ist aber zumindest eines gemeinsam; sie sind ein Versuch, die Verzweiflung zu leugnen, die einsetzt, wenn uns klar wird, dass keine Beziehung uns geben kann, was wir brauchen.
So beginnen wir erst den andern zu hassen und dann uns selbst.

Wenn ein Kind erkennt, dass die schlechte Behandlung von seiten der Menschen, die es eigentlich lieben sollten, deren Fehler ist, nicht sein eigener, dann verliert es alle Hoffnung. "Wenn Vater und Mutter mich nicht lieben, wer wird es dann tun? Ich bin verloren. Wie so viele, versuchte Laura der Angst und Hoffnungslosigkeit zu entfliehen, indem sie die Schuld für das Versagen ihrer Eltern bei sich selbst suchte. Kein Wunder, dass sie mich hassen, denn ….
Nun haben wir einen Plan, um unser Leben zu verbessern. Wir glauben, unsere eigenen Fehler bewegen die andern, uns abzulehnen; und wenn wir das ändern könnten, so meinen wir, dann würden die andern beginnen, uns zu mögen. Und dieser Glaube gibt uns die Hoffnung, eines Tages mit dem Leben zurechtzukommen, ohne sich an Gott wenden zu müssen. Unser Selbsthass schützt uns vor dem Eingeständnis, dass niemand je den Hunger unseres Herzens würde stillen können. Ein mangelhaftes Selbstbild ist darum ein nützliches Element, um in einer enttäuschenden Welt zu überleben.

Werkgerechtigkeit
Sehen wir, wie raffiniert Satan ist? Es stimmt ja, dass wir etwas an uns haben, was einer gesunden Beziehung zu Gott und allen Menschen im Wege steht. Wir sind nicht attraktiv! Satan führt uns ganz nahe an diese Wahrheit heran, doch dann lenkt er uns geschickt in eine hoffnungslos falsche Richtung. Der Egoismus, das wahre Problem, das uns so unattraktiv macht, erhält nie die Schuld. Und wenn, dann wird er als etwas dargestellt, was korrigiert, nicht aber vergeben werden sollte.
Alles das ist nichts als ein satanisch beeinflusster Trick, damit wir uns auf unsere "Werkgerechtigkeit" verlassen: Das kannst du tun, und wenn du es gut genug machst, dann findest du das Leben. Wir lernen es darum, uns zunächst zu hassen und dann alles daranzusetzen, um unser schlechtes Selbstbild zu überwinden. So kann ein schlechtes Selbstbild für stolze Menschen durchaus eine nützliche Funktion haben. Es spiegelt nicht nur die herabwürdigende Behandlung durch andere wider, sondern es kompensiert den Schock der Enttäuschung über unsere Beziehungen und wandelt ihn um in eine Energie, mit der wir uns dann daran machen, an uns selbst zu arbeiten.
Viele Christen haben den schrecklichen Leistungsdruck, den ein schlechtes Selbstbild hervorruft, zu Recht erkannt. Aber sie sind zu dem falschen Schluss gekommen, seine Wurzeln sei im Selbsthass zu suchen. Wenn wir unseren Hass auf uns selbst überwinden und es lernen könnten, in Gottes bedingungsloser Liebe Frieden zu finden, dann müsste der Druck, den Anforderungen gerecht zu werden, doch verschwinden, und wir könnten ein glückliches, fruchtbares, sinnvolles Leben führen.
Doch diese Argumentation weist einen ernstzunehmenden Denkfehler auf: das Kernproblem hinter dem Leistungsdruck ist nicht unser Selbsthass. Es ist vielmehr die Entschlossenheit, Enttäuschung zu kompensieren, ohne sich je an Gott wenden zu müssen, ohne die eigene Schuld einzugestehen und seine Gnade dankbar anzunehmen. Wir ziehen es vor, uns als Opfer unserer Beziehungen zu sehen, nicht aber als Sünder vor einem heiligen Gott.

Schachgrossmeister
Satan ist ein Meister im Schachspiel, und er spielt jeden an die Wand - ausser Gott. Gläubige Therapeuten weisen zu Recht darauf hin, dass zu viele Menschen aus einem enormen Leistungsdruck heraus operieren. Das Evangelium, so erklären sie, befreit uns von der Notwendigkeit, irgend jemandes Ansprüchen gerecht werden zu müssen, um gute Beziehungen zu erreichen. Diese Beobachtung ist korrekt, doch auch auf sie reagiert Satan mit einem Gegenzug. Er verstärkt zunächst den Selbsthass, der immer mit dem Leistungsdruck einhergeht, doch dann lenkt er die Aufmerksamkeit von seinem Platz im Gefüge einer gefallenen Struktur weg.
Er zeigt uns nicht etwas, dass alle diese Gefühle die natürliche Folge davon sind, dass wir an Gott zweifeln, Hilfe von andern verlangen und sie dann unausweichlich hassen müssen. Stattdessen ermutigt er uns, uns auf den Selbsthass als Kern des Problems zu konzentrieren. Wir definieren uns als Opfer kaputter Verhältnisse, die ein negatives Selbstbild entwickelt haben.
Die Therapie identifiziert diese negativen Gefühle, fordert uns auf, uns ihnen zu stellen, zu erforschen, woher sie kommen und betont die Liebe Jesu als besten Weg, sie zu überwinden. Dabei wird das Kreuz jedoch allzu oft seiner versöhnenden Kraft beraut; sein Wert besteht vielmehr darin, dass es den Menschen, die es lernen müssen, sich selbst zu akzeptieren, die nötige Bestätigung liefert. Der leidende Heiland wird zu einem mutmachenden Symbol herabgewürdigt, das uns hilft, unseren eignen Wert zu erkennen. Hätte Jesus dann all dieses Leid auf sich genommen, wenn der Mensch es nicht wert wäre? So geht es uns insgesamt nur darum, dass wir uns selbst lieben lernen. Wir blicken zu Gott, doch nicht, um ihn zu finden, sondern um ihn zu benutzen. Er selbst verschwindet im Dunkel. Und die Sünde wird, wenn überhaupt, zweitrangig. Satan, der Grossmeister im Schach, hat uns matt gesetzt.

Die göttliche Struktur: Ich versuche mich richtig einzuschätzen
Aber überlegen wir einmal, wie es wäre, wenn wir uns selbst einmal ehrlich beurteilen würden: wenn wir zugeben würden, dass es uns nicht gelingt, richtig zu lieben und Gott so zu vertrauen, wie er es verdient. Und stellen wir uns vor, wir könnten uns dann aber unserem Versagen im Vertrauen auf Gottes Vergebungsbereitschaft und seine verwandelnde Kraft stellen.

Wenn wir erkennen würden, wie böse und hartnäckig wir Gottes Plan vergewaltigen, dann würden wir das Kreuz wieder als Ort schätzen lernen, an dem Gott, durch seinen Sohn, unsere Schuld auf sich nahm und sie vergab. Und wir würden erkennen, dass er uns an jedem Tag unseres Lebens neu vergeben will, bis zu jenem Tag, an dem nichts mehr zu vergeben sein wird.

Der reife Christ beurteilt sich nicht aus einem Gefühl des Selbsthasses heraus, sondern mit dem leidenschaftlichen Wunsch, Christus immer ähnlicher zu werden.
Wenn uns unser Versagen bewusst wird, dann können wir entweder beginnen, uns selbst zu hassen oder uns nüchtern zu betrachten. Wenn wir dabei stehen bleiben, uns selbst zu verurteilen, dann geraten wir dem Selbsthass in die Falle und stehen ständig unter dem Druck, uns zu bessern. Wir können es aber auch lernen, uns an Gottes Gnade zu erfreuen.
So kann eine Sehnsucht wachsen, Christus noch ähnlicher zu werden, eine Sehnsucht, die mir meine ganze Abhängigkeit von Gottes Heiligem Geist deutlich machte, andererseits aber die selbstgestellte Forderung, besser sein zu müssen, schwächte. Ich brauche jetzt nicht mehr besser zu sein, ich will es.

Kap 13 Die vierte Ebene: Ich werde überleben

Normalerweise fällt es uns leichter, uns zu hassen und von uns selbst Besserung zu verlangen, als uns nüchtern einzuschätzen und dankbar die Gnade Gottes in Anspruch zu nehmen. Und wenn wir uns so unter Druck setzen, dann suchen wir nach einem Weg, wie wir überleben können, in einer Welt, die uns kein Leben geben kann.

Zu Höherem berufen
Es ist nicht verkehrt, aktiv nach Lösungen unserer Probleme zu suchen. Es ist nicht verkehrt, Arznei zu nehmen, die zwanghafte Symptome oder Depressionen lindern kann, genauso wie es nicht verkehrt ist, den Zahnarzt zu bitten, einen kaputten Zahn zu flicken.
Es ist jedoch verkehrt, sich so sehr auf die Lösung unserer Probleme zu konzentrieren, dass wir darüber die höhere Berufung, nämlich Gott inmitten unserer Probleme zu suchen, aus den Augen verlieren. Es ist verkehrt, mit ganzem Herzen und ganzer Seele und aller Kraft nach Lösungen für unsere Probleme zu suchen und darüber zu vergessen, dass anhaltende Prüfungen uns die einzigartige Möglichkeit bieten, ein noch grösseres Vertrauen auf Gottes Güte zu entwickeln.

Herr meines Geschicks
Sich allein der Überwindung aller Lebensprobleme zu verschreiben, ist noch aus einem anderen Grund verkehrt, denn in der Regel offenbaren wir damit ein völlig unangebrachtes Vertrauen auf unsere eigenen Fähigkeiten.

Eines Tages werden alle, die ihn kennen, sich eines unvorstellbare reichen Lebens in einer Stadt ohne Verbrechen und einem Garten ohne Unkraut erfreuen können. Doch jetzt müssen wir uns an den Segnungen freuen, wenn sie kommen, und durchhalten, wenn sie nicht vorhanden sind. Wir müssen den Mut haben, weiterzumachen, wenn alle guten Gefühle geschwunden sind; wenn wir von Gott überhaupt nichts spüren, müssen wir ihn gut nennen und ihm treu bleiben.

Aufforderungen, Gott besser kennenzulernen, klingen so wirklichkeitsfremd und hoffnungslos fromm, vor allem, wenn eine ganz bestimmte Gabe, wenn sie uns gewährt würde, unser Leben so viel lebenswerter machen könnte.
Denken wir einmal, wie glücklich wir sein könnten, wenn Gott uns doch nur:
" einen negativen Befunde geben würde
" eine gute Nacht schlafen liesse
" einen nüchternen Ehemann gäbe
" einen Tag geben könnte, an dem wir uns gut fühlen
" weniger ängstlich sein liesse
" unsere Gedanken zur Ruhe bringen würde
" einen geliebten Menschen retten würde
" die verhasste Perversion weniger verlockend erscheinen liesse.

Menschen in Not wollen Hilfe, echte, praktische Hilfe, klare Vorschläge, was sie tun können, um ihre Situation zu verändern oder sich zumindest besser zu fühlen. Aber bedenken wir: Die Annahme, dass man immer etwas tun kann, um die Dinge zu verbessern, spiegelt eine tiefer liegende, perfidere Annahme wider, dass wir es schaffen können; wir selbst wollen unser Leben befriedigender, erfüllender gestalten. (vgl. die vielen Bibelstellen über "Harren auf Gott.").

Köstliche Nahrung, die unsere Seele nährt, kommt allein von Gott. Als Christen haben wir die Möglichkeit, Gott zu gehorchen, nicht aber, uns selbst Leben zu geben. Das kann nur er tun. Wir müssen uns darum ganz dem Gehorsam verschreiben und die Hoffnung auf Befriedigung unserer Wünsche ihm überlassen. Das ist ein verhältnismässig altmodisches, aber doch bedenkenswertes Konzept, denn für manche Probleme gibt es hier auf Erden tatsächlich keine Lösung.

Selig sind die Arroganten
Mal 3,14: Es ist umsonst, dass man Gott dient; und was nützt es, dass wir … in Busse einhergehen vor dem Herrn Zebaoth?
Mal 3,15: Darum preisen wir die Verächter.

Gesegnet sind die Arroganten; glücklich ist, wer sich selbst vertraut. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Dass wir uns zur Erlangung unserer Ziele auf unsere eignen Möglichkeiten verlassen, entspringt einem Geist der Verachtung, der uns letztlich davon abhalten wird, Gott je zu finden.

Die gefallene Struktur sagt: "Ich habe alles, was nötig ist. Vielleicht ist es eine gewandte Zunge oder ein flinker Verstand oder meine Persönlichkeit. Vielleicht ist es mein selbstgewählter Rückzug in die Depression oder meine Fähigkeit, Erinnerungen zu verdrängen; vielleicht ist es meine zornige Gleichgültigkeit. Vielleicht ist es auch meine Fähigkeit, Geld zu verdienen. Ich bin ein tatkräftiger Mensch. Ich werde schon einen Weg finden, um mein Leben zu meistern. Und es wird funktionieren. Ich werde überleben.!" Gesegnet sind die Arroganten.

Die göttliche Struktur: Ich will gehorchen
Matt 5,3: Selig sind, die da geistlich arm sind.

Die göttliche Struktur bewirkt eine völlig andere Einstellung: "Was ich habe, ist völlig unzureichend. Ich brauche viel mehr, als ich geben kann, um eine gute Beziehung aufzubauen, auch mit meiner Frau. Wenn es um die Mittel geht, das Leben zu erkaufen, bin ich restlos pleite.
Aber ich weiss, dass Gott gut ist. Ich weiss, dass er mir alles geben wird, was ich brauche, um in jeder Lebenslage so zu bestehen, dass ich eine echte Ahnung vom Leben bekomme und, wichtiger noch, dass er anderen gegenüber bezeugt wird.
Selig sind die geistlich Armen. Ich will gehorsam sein.

In den gegenwärtigen beruflichen Schwierigkeiten lerne ich, wenn auch nicht ohne Widerstand, zuzugeben, dass meine Mittel unter Umständen nicht genügen, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Und dieses Eingeständnis befreit mich dazu, meine Gaben und Fähigkeiten vor Gott hinzulegen, damit er sie dort einsetzen kann, wo sie ihm am meisten dienen können. In dem Mass, wie ich lerne, nichts anderes von mir zu verlangen, als dass Gottes Plan in meinem Leben verwirklicht wird, lässt der Druck nach. Die gefallene Struktur gerät ins Wanken. Ich muss nicht mehr um mein eigenes Überleben kämpfen.

Kap 14 Die fünfte Ebene: So werde ich es schaffen

Mit dem Beschluss zu überleben kommt die Forderung, herauszufinden, wie das zu schaffen ist. Mehr als auf irgend etwas anderes sind wir auf Beziehungen angelegt. Darum besteht, ganz natürlich, der erste Punkt der Geschäftsordnung darin, eine Strategie für den Umgang mit Menschen zu entwickeln, die uns hilft, ihnen all das zu entlocken, was wir brauen, und die uns gleichzeitig vor der Gewalt schützt, die sie über uns ausüben wollen.
Vielleicht offenbart nichts so deutlich, wer wir sind und was wir vom Leben halten, als unsere Art des Umgangs mit anderen Menschen. Die meisten folgen einem ziemlich konsequenten Plan, der ihre Schwächen verbirgt und ihre Stärken unterstreicht. Ich nenne ihn Beziehungsstil.
(eine andere Strategie findet sich in dem Wunsch, allein zu sein, in der Natur, oder mit Tieren und nahen Kontakt mit Menschen zu meiden).

Zweifel an Gott, die einen selbstbewussten Willen zum Überleben in uns wachrufen, bewirken, dass allen Gesprächen, die wir führen, ein egoistisches Element zugrunde liegt. Unterschwellig verfolgen wir ein Ziel, das mehr mit unserem eigenen Wohlergehen als dem des Gesprächspartners zu tun hat.

Die göttliche Struktur: So will ich leben
Nehmen wir einmal an, wir könnten uns den Menschen zuwenden, um ihnen - um ihretwillen - etwas zu geben, weil wir wüssten, dass wir wegen Gottes Wirken in unserem Leben tatsächlich etwas zu geben haben. Nehmen wir einmal , wir könnten auch dann noch an der Freude und am Wachstum anderer Menschen gelegen sein, wenn diese uns schlecht behandeln, und wir könnten unsere eigene, mangelhafte Liebesfähigkeit mit den demütigen, aber dennoch frohen Augen eines Menschen betrachten, der weiss, dass ihm vergeben ist. Unser Beziehungsstil würde sich ändern.

<Graphik: die gefallene & göttliche Struktur S21+22>

Teil III: Der Weg zu Gott
Kap 15 Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages

Ent-täuschung ist der Boden, auf dem die Hoffnung wächst. Etwas in unserem Innern muss zerschlagen werden, und von aussen muss etwas kommen, um uns auf den Weg zu Gott zu locken. Der Zerschlagen wie auch das Locken ist ein Werk des Heiligen Geistes. Unsere Aufgabe ist es, ihn zu diesem Werk einzuladen.

Da ist jemand! Die letzte Wirklichkeit ist eine Person. Ich weiss es. Es muss so sein. Die unstillbare Sehnsucht in mir, gar nicht zu reden von einem so komplizierten Gebilde wie zum Beispiel einem Schmetterling, lässt sich nicht anders erklären. Die Frage lautet darum: Ist diese letzte, endgültige Person gut oder böse?

Die gefallene Struktur wankt
Wir werden einen Blick auf Gott erhaschen, wenn unserer gefallene Struktur ins Wanken kommt und uns nichts anderes reizvoller erscheint, als die Erfüllung unseres Lebens in Gott zu suchen. Doch damit das geschehen kann, müssen wir den haben, dreierlei zu tun.

1. Welche Wirkung üben wir auf andere Menschen aus? Wenn wir erkennen, wie sehr wir oft auch gerade die Menschen, die wir gern haben, verletzen, dann sollte unser erlöstes Herz bereit sein, darüber Busse zu tun. Wenn unser Einfluss jedoch gut und positiv ist, dann erfüllt uns das mit Freude und weckt in uns den Wunsch noch mehr zu lieben.

2. Wir müssen mit dem Schaden auseinandersetzen, den andere Menschen uns zufügen. Wenn wir ehrlich zugeben, wie oft wir von anderen enttäuscht würden, dann beginnen wir zu erkennen, wie sehr all unser Bemühen darauf gerichtet ist, weitere Verletzungen dieser Art zu vermeiden, indem wir uns dem Nächsten nur noch bis zu einem gewissen Grad öffnen und vieles zurückhalten. Aus dieser Erkenntnis wächst ganz neu der Wunsch umfassender zu leben, freundlich zu sein, auch wenn unsere Freundlichkeit von anderen mit Füssen getreten wird, und mehr aus uns herauszugehen, auch wenn wir manchmal versagen.

3. Wir müssen uns mit unserer Haltung gegenüber Gott auseinandersetzen. Uns scheint, als hätte er uns im Stich gelassen. Wir vertrauen ihm nicht vorbehaltlos. Manchmal macht er uns wütend. Wenn wir zugeben, was wir von Gott halten, sind wir schockiert. Irgend etwas stimmt da nicht. Und es entsteht in uns das Verlangen, ihm wirklich zu trauen, ihn als den guten Gott zu erfahren, der er zu sein behauptet, und in dem Wissen Frieden zu finden, dass er die Güte selbst und immer für uns da ist. Wir finden Gott, wenn wir lernen, seinem Wesen zu vertrauen, dadurch werden wir stille.

Wir müssen lernen, die Geschichte unseres Lebens zu erzählen - wie wir auf andere wirken; welchen Schaden andere uns zugefügt haben; was wir von Gott halten - um die sündhaften Verhaltensmuster, die uns immer noch beherrschen, einzureissen.

Kap 16 Die häufigsten Fehler

Bei unserem Versuch, Gott zu finden, neigen wir zu zwei Arten von Fehlverhalten.

1. Verdrängung: Zum einen bewegen wir uns nur allzu gern um unsere Probleme herum oder verdrängen sie. Wir werden Gott nicht finden, wenn wir uns von der hässlichen, schmerzlichen Realität um uns herum oder in unserem distanzieren. Wenn wir die Augen vor dem, was um uns herum geschieht, verschliessen, wenn wir einander nie "unsere Geschichte erzählen", dann wird die Nachfolge Gottes auf ein gut organisiertes System von Aktivitäten reduziert, das nur durch stolze Selbstdisziplin in Gang gehalten wird.
Der Weg zu Gott führt nie um unsere Probleme herum.

2. Versenkung: Wir werden Gott jedoch auch nicht finden, wenn wir uns in unseren Geschichten verlieren. Die moderne Therapiebewegung ermutigt uns manchmal, diese Sackgasse zu wählen. Wir werden aufgefordert, statt unsere Probleme zu verdrängen, uns ganz in sie hineinzubegeben, uns ihnen zu stellen, uns nichts vorzumachen. Verdrängung wird zur grössten Sünde; Ehrlichkeit und Offenheit gelten als absolute Tugenden.
Wie die meisten Irrtümer beginnt auch dieser mit einer Wahrheit und treibt sie dann zu weit. Unsere Probleme können jedoch eine solche Faszination bekommen, die Auseinandersetzung mit ihnen kann so belebend wirken, dass wir uns ganz davon gefangen nehmen lassen. Die Folge ist, dass wir uns wohl in unsere Probleme hinein, aber nie durch sie hindurch bewegen. Wir versinken in unseren Problemen wie im Treibsand, dass wir uns von ihnen aufsaugen lassen mit einer Ichsucht, die sich als Bereitschaft zu persönlichem Wachstum tarnt.

Kap 17 Unsere guten Leidenschaften sind zu schwach

Wir finden Gott in dem Masse, wie wir ihn finden wollen. Jer 29,11-14.

Mit Gott verhandeln
Matt 19,27: Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür gegeben? Jesus: "Ich will geben, was recht ist." Doch wie Petrus reden wir häufig von Vertrauen und wollen doch letztlich verhandeln. Dem Suchen jedoch, das belohnt wird, ist ein solcher Händler- oder Krämergeist fremd. Vielmehr ist es ein leidenschaftliches Vertrauen, das uns zwar kühn genug macht, um alles zu bitten, was unser Herz begehrt, wie Kinder vor Weihnachten, das uns aber gleichzeitig dazu befreit, mit dem zufrieden zu sein, was wir erhalten.

Die guten Leidenschaften stärken
Vielleicht sind die negativen Leidenschaften in uns nur deshalb so stark, weil die guten so schwach sind. Vielleicht sind nicht zu heftige Sehnsüchte unser Problem sondern zu geringe.
Irgend etwas in unserem Innern

Planung ist alles
Wenn unser grösstes Verlangen darauf gerichtet ist, unsere Probleme zu lösen, dann suchen wir allerdings eher nach einem Plan, den wir befolgen, als nach einer Person, der wir vertrauen können.
Es gibt keine Garantie dafür, dass das Leben so funktioniert, wie wir es uns wünschen. Was geschieht, wenn wir seinen Weisungen folgen, ist seine Sache. Manchmal erfahren wir direkten Segen. Manchmal nicht.

Der Glaube an die Machbarkeit
Der Glaube an die Machbarkeit aller Dinge ist nur schwer kleinzukriegen. Wir fürchten uns davor, verletzlich zu erscheinen. Wir wollen die Dinge, die uns am wichtigsten sind, im Griff haben können. Unsere Kinder, wichtige Beziehungen, unsere Gesundheit, das Bankkonto. Ärgerlich weigern wir uns zu glauben, dass das Leben eher chaotisch als überschaubar ist.
Zerbrochene Träume allerdings bieten uns die einzigartige Gelegenheit, unsere Meinung über die Vorhersehbarkeit des Lebens zu revidieren. Ein verantwortliches Leben, obwohl wichtig, sollte nicht unser höchstes Ziel sein. Gute Führung wird nicht immer belohnt. So einfach liegen die Dinge nicht. Wenn dann noch unerwartete Probleme auftauchen, die sich nicht durch früheres Versagen erklären lassen, dann verlieren wir das Vertrauen in unsere Fähigkeit, das Leben in den Griff zu bekommen. Wir versinken in einem tiefen Sumpf, in dem das Vertrauen auf Gott zu unserer einzigen Hoffnung wird. Das erklärt vielleicht, warum ein echtes Verlangen nach Gott am besten in dunklen Stunden wächst.

Oberste Priorität
Unser oberstes Ziel lautet nicht, Gott für die Lösung unserer Probleme zu benutzen, sondern die Probleme zu benutzen, um Gott zu finden. Gott schämt sich nicht, als Gott jener zu gelten, die sich zwar hier schon an allem Schönen freuen, sich aber weigern, hier ihre Stadt zu bauen; die sich nach einer besseren Heimat in einem andern Land sehnen; die bereit sind, mit ungestillten Sehnsüchten zu leben, ohne nach Linderung zu fragen, und die dankbar dafür sind, Gott in einer feindlichen Welt dienen zu dürfen, bis sie einmal in seiner ewigen Stadt zur Ruhe kommen werden. (siehe Heb. 11, besonders Verse 13-16)

Die wichtigste Frage lautet also nicht: "Wie kann ich meine Probleme lösen?", sondern: "Wie kann ich ein so brennendes Verlangen nach Christus erfahren, dass alles andere zweitrangig wird?"

Kap 18 Gute und böse Leidenschaften; wie reissen wir sie ein, wie setzen wir sie frei?

Wir müssen einen Weg finden, um die negativen Leidenschaften, die uns nur allzu oft beherrschen, zu zerstören und die guten Leidenschaften, die in uns schlummern, freizusetzen. Wenn wir diesen Weg einschlagen und ihn nicht wieder auf eine praktische Formel reduzieren wollen, die Gott verpflichtet, zu tun, was wir erwarten, müssen wir verstehen, wie diese Leidenschaften funktionieren - die guten wie auch die schlechten.
Ich will das an vier Punkten zeigen.

1. Schlechte Eigenschaften sitzen tief
Schon der kleinste Anlass genügt, um die heftigsten Gefühle wachzurufen. Ein abschätziger Blick, ein spöttischer Unterton bringen uns sofort in Rage oder erfüllen uns mit Angst und Selbsthass. Dann stossen wir zufällig auf ein Verhaltensmuster, das den Aufruhr in unserm Innersten besänftigt und uns, wenigstens einen Augenblick lang, ein wunderbares Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit und Erfüllung erleben lässt. Vielleicht haben wir in der Schule, auf dem Sportplatz, in der Jugendgruppe oder in der Disco eine besondere Leistung erbracht und erhalten plötzlich die gebührende Anerkennung. Vielleicht masturbieren wir das erste Mal beim Durchblättern eines Pornoheftes. Oder wir nehmen die zweite Portion vom Nachtisch. Ein Gefühl der Freude durchzuckt uns, und wir halten diese Erfahrung fälschlicherweise für das richtige Leben. Dieses Muster wird zur Quelle aller guten Erfahrungen. Wir brauchen es, um den bohrenden Schmerz, der uns nie ganz verlassen will, zu betäuben. Im Laufe der Jahre jedoch gewinnt es immer mehr Macht über uns.
Jede Leidenschaft, die uns soweit beherrscht, dass wird das Leben überall suchen, aber nicht in der Erkenntnis Gottes, die aus dem Gehorsam erwächst, ist eine Frucht unserer gefallenen Struktur. Die Frucht der göttlichen Struktur ist radikal anders. Wenn Gottes Geist in uns freie Bahn bekommt, dann werden edle Leidenschaften in uns freigesetzt, die uns zum Ursprung alles Guten hinziehen.
Weil wir jedoch an Gottes Güte zweifeln, erlauben wir uns nur das zu wünschen, worüber wir die Kontrolle haben können. Sexuelles Vergnügen zum Beispiel ersetzt die Freude daran, uns anderen Menschen voller Liebe und vorbehaltlos zu öffnen.

2. In jedem Christ schlummern gute Leidenschaften, die darauf warten, freigesetzt zu werden
Jeden erlösten Menschen drängt es zu sehen, dass auch andere Menschen heil werden. Er möchte "zunehmen", damit er mehr geben kann. Doch viele edle Leidenschaften werden erstickt von dem Verlangen, selbst mit dem Leben fertig zu werden, ohne Gott völlig vertrauen zu müssen. Die Folge ist natürlich, dass unsere guten Leidenschaften im Winterschlaf verharren. Die Fähigkeit, sich nach all dem Guten zu sehnen, das uns in Gottes Nähe zieht, kann einem Herzen, in dem der Geist Gottes wohnt, nie verloren gehen. Wir können sie allerdings unterdrücken.
Weil uns das Vertrauen zu Gott fehlt, tun wir so, als wären die tiefsten Sehnsüchte unseres Herzens (nämlich Gott gleich zu sein) nicht wirklich vorhanden und als könnten weit geringere Dinge bereits glücklich und zufrieden machen.

3. Böse Leidenschaften können sich als Gute tarnen
Ein Ehemann, der alles versucht hat, um eine kalte Ehe wiederzubeleben, mag sich, wenn er scheitert, hinter eine Fassade genügsamer Geduld zurückziehen. "Ich weiss wirklich nicht, was mit ihr los ist. Ich habe getan, was ich konnte. Jetzt hilft nur noch beten."
Es ist ganz natürlich, sich mit den eigenen guten Absichten zu trösten oder sich als Opfer von Trieben zu sehen, über die man keine Macht hat. Doch als der Apostel Paulus in sich den Drang spürte, Dinge zu tun, die er wirklich nicht tun wollte, das suchte er nicht nach Wegen, um seine Selbstachtung aufzupolieren. Statt dessen erkannte er, welche ein elender Mensch er war, und bat Gott um Vergebung und Kraft (Röm 7,24-25).
Wenn die guten Leidenschaften immer mehr Raum gewinnen, dann kann es auch sein, dass ich die Macht der bösen Leidenschaften auf einmal viel stärker spüre als früher, als sie mich noch beherrschten

4. Böse Leidenschaften sprechen oft die Sinne an, doch gute Leidenschaften sind attraktiver
Es kann durchaus sein, dass wir vom Verlangen ach Gott beherrscht werden, die bösen Leidenschaften aber viel stärker spüren. Doch was uns wirklich beherrscht, misst sich nicht daran, welche Gefühle stärker sind, sondern welchen wir gehorchen.
Wir sollten nicht zu streng mit uns ins Gericht gehen, wenn Lust oder Eifersucht stärker zu sein scheinen als unser Verlangen nach Gott. Die Freude an der Sünde spricht unsere Gefühle ganz direkt an, und sie überlagert den Schmerz. Die Freude an Gott nimmt im Lauf der Zeit ganz allmählich zu und geht normalerweise mit Leid einher. Sinnliche Freude (Fühle ich mich wohl?) ist kein verlässlicher Massstab dafür, ob unser Lebensstil von Gott geprägt ist. Wachsende, reifende Menschen fühlen sich manchmal ganz jämmerlich (Hos 5,15).
Biblische Bilder - nach Gott lechzen, Gott schmecken, vom lebendigen Wasser trinken, Brot des Himmels essen - machen es jedoch klar, dass die Suche nach Gott nicht Theoretisches ist. Gott finden ist auch ein gefühlsmässiges, ein sinnliches Erleben.

Gottes Methode, uns näher zu sich zu ziehen, besteht darin, dass er zunächst die gefallene Struktur in uns zum Einsturz bringt. Dazu lässt er uns die Angst und den Schmerz, die wir mit dieser Struktur überwinden wollten, in aller Deutlichkeit spüren. Doch dann lockt er uns mit der Hoffnung darauf, in ihm die Erfüllung all unserer Sehnsüchte zu finden. Wenn wir ehrlich betrachten, was in unseren Beziehungen geschieht, wenn wir den tiefen Schmerz unserer Seelen zugeben und erkennen, zu welchen Strategien wir Zuflucht nehmen, um uns vor diesem Schmerz zu schützen, und wenn wir unsere Zweifel an Gottes Güte ehrlich bekennen, dann erkennen wir plötzlich, welche hässlichen Leidenschaften uns eigentlich regieren, und wir spüren den tiefen Durst, der uns zu Christus treiben will.
Unsere Aufgabe in diesem Prozess ist es, einander die Geschichte unseres Lebens zu erzählen, im Bewusstsein von Gottes Gegenwart.

<Grafik S27>

Kap 19 Unsere Geschichte

Wir alle zürnen Gott und erwarten, dass er etwas mehr tut als jetzt. Er bleibt still und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen; und er ist unaussprechlich betrübt darüber, dass wir ihn für grausam oder gleichgültig halten. "Du würdest es freudig ertragen, wenn du wüsstest, wie gut ich bin", erwidert er. "Du willst, dass ich mich auf deine Bedingungen einlasse, um dir meine Güte zu beweisen. Aber wenn ich auf deine Forderungen eingehe, dann wirst du mir nicht vertrauen; du würdest vielmehr meinen, du würdest mich besitzen.

Gespräche, die beunruhigen und neugierig machen
Wenn wir uns trotz unserer Probleme auf den Weg machen wollen, um Gott zu suchen, dann müssen wir auch neu begreifen, was Gemeinschaft ist, und bereit sein, uns auf sie einzulassen. Wir müssen es lernen, so miteinander zu reden, dass das Ziel unserer Unterhaltung darin besteht, in uns eine Unruhe darüber zu wecken, wie manipulierend, wie abwehrend und eigennützig wir sind. Unsere Gespräche sollten aber auch Anreiz dafür sein, andere zum Guten zu beeinflussen, uns an unserer Einzigartigkeit zu freuen und in der Güte Gottes Ruhe zu finden, ganz egal, was geschieht.

Es gehört Mut dazu, unsere Geschichte zu erzählen. Die sündigen Leidenschaften, die uns so oft regieren, aufzudecken, erfordert Demut. Doch wenn wir uns selbst eingestehen, wie gern wir für unseren Nächsten zu einem Werkzeug des Guten würden, und wie sehr uns nach einem übergeordneten Massstab verlangt, in dem wir Ruhe finden können, dann wird das Verlangen in uns wachsen, Gott immer besser kennenzulernen.

<Grafik S28>

Kap 20 Geschichten, die zerstören und aufbauen

Nur wenige reden wirklich mit dem andern. Wir offenbaren das, was auf uns selbst ein günstiges Licht wirft. Wenn es jedoch unser Ziel wäre, Christus besser kennen zu lernen, dann würden auch unsere Geschichten anders klingen, vielleicht peinlicher, demütigender, beängstigender.
Wenn ein Gespräch, ein Lied, eine Predigt, ein Film die harte Verkrustung unseres Herzens durchbricht und das Verlangen, zu segnen, Anteil zu nehmen, zu lieben, freisetzt, dann wird uns auch sofort erschreckend bewusst, dass wir diesen Wunsch ohne Hilfe gar nicht in die Tat umsetzen können. Und diese Erkenntnis treibt uns zu Christus, der möchte, dass wir so lieben, wie er liebt. Spüren wir jetzt, wie wichtig es ist, Christus noch besser kennen zu lernen?

Wir müssen schliesslich die innerste Geschichte unseres Lebens aufdecken, das Gewebe von Argwohn, Angst und Wut, das aus unserer Haltung gegenüber Gott erwächst.
Vier Schlüsselfragen können uns helfen, diese Geschichte zu erzählen:

1. Was bedeutet Gottes Liebe in meinem Leben?
Kann ich mich einem Gott, der mir weder Gesundheit noch einen treuen Ehepartner, gehorsame Kinder oder ein ausreichendes Einkommen garantiert, ruhig anvertrauen? Lebe ich mit der nagenden Angst, das morgen vielleicht etwas Schreckliches passieren könnte, etwas, worüber ich keine Gewalt habe? Ist Gott für mich die Quelle allen Trostes, obwohl er es so eingerichtet hat, dass meine Mutter trinkt und ihr dritter Mann mich belästigt? Wenn das Leid schier unerträglich scheint, kann ich mich trotzdem freuen, weil ich weiss, dass Gottes Güte einmal alles Böse im Leben überwinden wird?

2. Danke ich Gott für seine Hilfe, wenn ich vor schwierigen Entscheidungen stehe?
Habe ich gelernt, dass Gottes Führung mich nicht von der Verantwortung entbindet, in schwierigen Situationen selbst mutige Entscheidungen zu fällen? Habe ich erkennen müssen, dass Gott mir nicht immer zeigt, wie ich mich im Einzelnen verhalten soll? Und kann ich das akzeptieren? Oder frustriert es mich? Ist mir die Bibel die wertvollen Hilfe, um Gottes Willen zu erkennen, oder lege ich sie entrüstet zur Seite, weil sie mir keine konkrete Antwort gibt? Vertraue ich darauf, dass Gott in meinem Leben ständig am Werk ist? Oder bereitet es mir Mühe, wenn ich höre, wie ein Freund um Weisheit gebetet hat und dann eine Entscheidung traf, die grosses Leid brachte?

3. Glaube ich an Gottes heilende Kraft, auch wenn manche Wunden in meinem Herz nicht geheilt werden?
Verlange ich, dass Gott meine Wunden heilt, bevor ich bereit bin, auf seine heilende Kraft zu vertrauen? Habe ich Heilung gefunden, die mich frei macht, andere besser zu lieben, oder meine ich, es reiche aus, wenn ich Selbstbestätigung finde und es lerne, mich besser abzugrenzen? Was stört mich mehr, anhaltendes Leid oder anhaltende Sünde? Was ist mir wichtiger - Heilung oder Vergebung?
Welche Bedeutung hat das Kreuz für mich? Ist es mir Zeichen dafür, dass ich wertgeachtet bin, oder spricht es von der Vergebung meiner Schuld? Hat mein Suchen nach Gesundung mich zu einem Gott geführt, der mich selbst inmitten ungelöster Fragen und anhaltendem Leid zur Liebe befähigt, oder zu einem falschen Gott, einem Beruhigungsmittel, das zwar den Schmerz betäubt, nie aber meinen Charakter bildet?


4. Habe ich Gott in einem tiefen Sinn erkennen könnten, dass mein Verlangen nach ihm grösser ist als alles andere Verlangen?
Hat Gott sich mir so offenbart, dass es mir, zumindest zeitweise, völlig abwegig und reizlos scheint, zu sündigen? Hat mein Erleben mit Gott in mir Mitleid selbst gegenüber meinen schlimmsten Feinden geweckt? Hat die Erkenntnis, dass es um Gott geht und nicht um mich, mich dazu befreit, ich auch dann noch anderen zuzuwenden, wenn es mir selbst schlecht geht?


Ein Schein der Herrlichkeit
Doch das Geheimnis bleibt, ja es wird noch tiefer. Gott bleibt der Unvorhersehbare, der sich enthüllt, wenn es ihm gefällt. Aber wir sind nicht mehr so schnell geneigt, zu irgendwelchen Zauberformeln Zuflucht zu nehmen, die ihn überzeugen sollen, sich uns zu offenbaren.
Stattdessen freuen wir uns jetzt an seinem unberechenbaren Wesen, denn wir haben ihn sehen dürfen. Wir durften erkennen, wer er ist. Wer vertrauen darauf, dass er das Richtige tund wird, weil wir wissen, dass er gut ist. Solange wir an diesem Vertrauen festhalten, erfahren wir einen Frieden, der tiefer ist als die schlimmsten Anfechtungen; eine Bereitschaft, trotz Enttäuschungen zu lieben; und eine Freude, die grösser ist als unsere grösster Kummer.
Wir fangen tatsächlich an, dem Herrn zu glauben, der gesagt hat: "Aber seid getrost, ich habe die Güte niemals überwinden kann.

Können Sie sich vorstellen, wie es sein wird, in einer Welt ohne Anfechtungen, ohne Misshandlung, ohne Ängste und Sorgen Gott völlig und uneingeschränkt zu vertrauen? Ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich (1.Joh.3,3), indem er den Geboten Christi gehorcht. Und wer seine Gebote hat und sie hält, der ist's der mich liebt … und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren (Joh.14,21)

Kap 21 Endlich zu Hause

Es ist gut, sich Gedanken über das Leben zu machen, das Wesen der Beziehung zu sich selbst und anderen zu durchleuchten. Doch wir sollten diese gedanklichen Abenteuer etwa in dem Geiste unternehmen, wie Kinder das alte, verwinkelte Haus ihres Grossvaters erkunden. Endlos scheinende Korridore, Winkel, Ecken und geheimnisvolle Schränke auf dem Dachboden verlocken sie dazu, das hellerleuchtete Wohnzimmer zu verlassen, in dem der Grossvater immer sitzt. Dennoch ist dieses Wohnzimmer das Hauptquartier, und die Kinder achten sorgfältig darauf, sich den Rückweg gut einzuprägen.
Viele Christen sind mutig in die finsteren Bereiche ihres Herzens vorgestossen, aber sie haben den Weg zurück in das Zimmer, in dem der ewige Vater seine Kinder um sich versammeln und ihnen quasi am Kamin etwas vorlesen will, vergessen.
Die wirkliche Gefahr bei allem Nachdenken über die Probleme des Lebens besteht nicht darin, dass wir Elemente entdecken werden, mit denen unser Glaube nicht fertig werden kann, sondern vielmehr darin, dass wir allzu leicht meinen, wir hätten unerforschtes Gebiet betreten, für dessen Erkundung der christliche Glaube zu einfach sei und deshalb nicht genüge.

Das letzte Wort
Gott weiss alles über uns. All die persönlichen Kämpfe, die uns fertigzumachen drohen, sind ihm bewusst. Er kennt unsere Geschichte und unser Heute von allen Seiten. Und alles, was er uns antwortet, ist: "Christus". In vergangenen Zeiten teilte er sich auf die verschiedenste Weisen mit. Doch jetzt sagt er uns, dass alles, was er früher verkündigte, vollumfänglich in Christus offenbart wurde. Das ist sein letztes Wort. "Christus." (Heb.1,1-2)
Gott möchte, dass wir bei ihm am Feuer sitzen und zuhören, wie der Heilige Geist die 66 Bücher vorliest, die alles enthalten. Und wenn ein Freund mit homosexuellen Neigungen zu kämpfen hat, dann möchte er, dass wir das Wohnzimmer verlassen und auf den Dachboden gehen, wo der Freund seine Geschichte erzählt. Aber dann sollen wir zusammen mit dem Freund so schnell wie möglich wieder herunterkommen, damit wir beide eine weit schönere Geschichte hören können.
Die tiefsten, bedeutungsvollsten Wahrheiten sind immer ganz einfach. Paulus war dankbar für das Werk des Glaubens, die Arbeit in der Liebe und die Geduld in der Hoffnung der Thessalonicher.
Jesus sagte, es sei das Werk Gottes, an den Einen zu glauben, den Gott gesandt hat. Und das heisst, ein Vertrauen auf ihn zu entwickeln. Gott ist gut. Sieh Christus an. Er macht uns das klar. Er gibt uns den Glauben. Die Arbeit in der Liebe besteht darin, Christus zu dienen, ihn dadurch zu verkünden, dass wir anderen so begegnen, wie er ihnen begegnet, so zu leben, wie er gelebt hat. Und die Geduld in der Hoffnung richtet unsere Aufmerksamkeit auf die zukünftige Stadt. Statt zu versuchen, hier eine Stadt zu bauen, schauen wir nach vorn zu jener Stadt, die Christus an einem besseren Ort für uns baut.
Christus zu vertrauen (Glaube), Christus zu dienen (Liebe) und auf Christus zu warten (Hoffnung): das bedeutet, Gott zu finden.
Doch solange wir ihn noch nicht gefunden haben, bekommen wir unsere Leidenschaften nicht in den Griff. Vertrauen ist unmöglich.

1. Wir wollen erklären und beherrschen; deshalb lösen wir alles geheimnisvoll Unverständliche in kleine, verständliche Teilbereiche auf und versuchen unser Leben ohne Jesus in den Griff zu bekommen.
2. Wir wollen Recht haben. Wir nennen das "ernsthaft um den rechten Glauben ringen", und wir versuchen uns selbst davon zu überzeugen, dass wir im Kampf um die Wahrheit Gottes Verbündete sind. Doch unsere ärgerliche Überheblichkeit verrät uns. Mitleid und Demut werden von der Arroganz verdrängt.
3. Wir wollen gesund werden und unsere Schmerzen lindern. Doch wenn uns das wichtiger wird als die Anbetung, dann schaffen wir uns einen eigenen Gott, der unseren menschlichen Zielen dienen soll, und helfen den Menschen lediglich dabei, mit sich selbst möglichst ins reine zu kommen. Wir benutzen einen Götzen, statt dem einen, wahren Gott zu dienen.
4. Wir suchen den Kontakt mit dem Übernatürlichen. Wir öffnen uns dem Geheimnisvollen, fallen demütig vor Gott nieder und kennen kein höheres Ziel, als ihn zu erfahren. Aber unser Blick ist auf die Erfahrung gerichtet. Wir fordern sie ein. Und darum entwickeln wir Methoden, sie zu erleben. Schliesslich beschäftigen wir uns mehr mit unseren Plänen, Gott zu suchen, und unseren erfolgreichen Bemühungen, als mit Gott selbst.

Doch auf jeden Schrei unseres sehnenden Herzens erwidert Gott: "Christus."

1. Unser Verlangen nach Erklärungen kann zu dem Verlangen werden, Christus und alles, was Gott in seinem Buch über ihn offenbart, kennen zu lernen. Wir dürfen uns Gedanken machen, nachforschen, auch einmal ungewöhnliche Ideen verfolgen, mit den Menschen über ihr Leben reden, aber nie sollten wir den Stuhl am Feuer allzu lange verlassen. Das Werk unseres Glaubens sollte es sein, uns in jedem Moment darauf zu verlassen, dass Gott gut ist.
2. Unser Verlangen, Recht zu haben, kann zu dem Verlangen werden in all unserem Tun Christus zu ehren. Wir dürfen lernen, diskutieren und debattieren, aber wir sollten es immer in einer Art tun, die anderen wirklich hilft zu erkennen, wie gut und freundlich Gott wirklich ist. Herzliche Überlegung darf den kalten Dogmatismus ablösen. Die Arbeit in der Liebe sollte immer etwas von Gottes Wesen widerspiegeln.
3. Unser Verlangen, gesund zu werden, kann zu dem Verlangen werden, Hoffnung zu vermitteln. Die Wunden werden nicht alle verschwinden. Keine Methode, keine Gruppentherapie und kein Seelsorger können sie vollständig heilen. Aber wir können trotzdem weitermachen am Werk des Glaubens und der Arbeit in der Liebe. Ein besserer Ort wartet auf uns. Mit der Geduld in der Hoffnung dürfen wir Gott jetzt treu dienen, weil wir wissen, was auf uns wartet.
4. Unser Verlangen nach Kontakt kann zu dem Verlangen werden, einem allmächtigen Herrn zu vertrauen, der immer genau das tut, was für uns gerade nötig ist. Zu seiner Zeit und auf seine Art wird er uns den Vater offenbaren, wenn wir am Werk des Glaubens, der Arbeit in der Liebe und der Geduld in der Hoffnung festhalten.

Die meisten von uns kriechen auf einem verstaubten Dachboden herum, und versuchen, Erklärungen für ihr Leben zu finden, ihre Rechte zu behaupten und ihre Schmerzen zu lindern, und fragen sich, wo Gott wohl steckt. Es ist an der Zeit, dass wir den Weg zurück ins Wohnzimmer und in die Arme des Vaters finden, wo wir dem Heiligen Geist zuhören können, der uns von Christus erzählen will.

Epilog
Die Welt ist ein viel zu schlechter - und viel zu unsicherer - Ort, um sich häuslich darin einzurichten und dabei auch noch froh zu werden. Aber sie ist ein phantastischer Ort, um Gott zu suchen.

 

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